The Next Uri Geller: Ein Selbstversuch

Da ich gerade etwas rumkränkel, dacht ich mir gestern Abend, pflanzt dich mal gemütlich vor die Glotze, leidest noch etwas mehr und ziehst Dir „The Next Uri Geller“ rein. Ob die Menschheit Uri Geller braucht oder nicht, ist zwar relativ klar (nein), somit beantwortet sich auch die Frage, ob man auf einen Nachfolger vom Bananenbieger wartet (zweimal nein).

Aber seit seinem bescheuerten Move, als er über ein Riesenteleskop in Italien Kontakt mit Aliens aufnehmen wollte, hab ich irgendwie Mitleid mit ihm. Die Ich-muss-nach-Hause-telefonieren-Kacke hat gerade mal 1,4 Millionen Menschen zur besten Sendezeit am Samstagabend interessiert (warum nur?). Die Pro7 Programmdirektion hat sich sicherlich in Grund und Boden geschämt und ordentlich in Arsch gebissen. Wahrscheinlich steht Uri auf der Abschussliste. Deswegen: Watch for Uri.

Außerdem bin ich ebenfalls ein sogenannter Mentalist. Zu meinen besten Skater-Zeiten konnte ich einen Ollie über acht nebeneinanderliegende Boards machen. Dazu benötigt man übersinnliche Kräfte. Der Schulhof auf dem ich das damals gerissen habe, ist heute ein weltweit bekannter Wallfahrtsort für Skater. Mein Mentalistenname (das haben alle Mentalisten wie ich gleich lernen werde) ist übrigens Der fliegende Ramayahan.

Puh, die Show beginnt pompös, mit viel Licht und frenetischem Jubel. Auf der Bühne stehen 10 Eulen, ´tschuldigung, Mentalisten. Die ersten fünf sind schon letzte Woche vorgestellt worden. Heute sind dran: Ein schweigsamer Gothic-Freak im Lodenmantel, ein Österreicher, der sein Geld auch mit einer Web 2.0-Firma verdienen könnte, zwei Buben aus der Schweiz mit Fliege und Weste, eine dralle Quotentussi und ein Indianer. Also ungefähr die Besetzung der Village People 2009.

In der ersten Reihe sitzen drei Promis als Versuchskaninchen, die ich noch nie in meinem Leben zuvor gesehen habe. Eine heißt irgendwie „Gäb“ und könnte von Monrose sein, einer hört auf den Namen Simon und ist ein absoluter Vollnapf und die dritte… ähm, kein Plan.

Los geht’s mit Aaron Crow, the silent Mentalist, der Typ im Lodenmantel. Ich hab das Gefühl, den schon mal in Stuttgart gesehen zu haben. Na ja, Aaron packt sich Gäb und Simon und vollführt eine modifizierte Wilhelm-Tell-Nummer. Gäb hat nen Apfel aufm Kopf, Aaron dreht sich ein paar Mal um die eigene Achse, schießt dann nen Pfeil exakt durch die Apfelmitte. Der Pfeil landet ebenfalls mittig in einem Kreis. Toll. Ich würd sagen, die Nummer kann man üben. Mental, where you at?

Danach ist Manuel Horeth, der Österreicher dran (der smarte Gedankenverdreher). Er nimmt sich zwei von den Promis und noch nen paar Leute ausm Publikum. Er macht irgendwas mit Telefonbüchern und findet unter 75 Millionen Telefonnummern die richtige heraus. So genau weiß ich das nicht mehr, weil ich kurz umgeschalten hab. Uri Geller ist jedenfalls mächtig beeindruckt. Und die Probanden sagen dauernd Dinge wie „kennen uns nicht“, „haben uns nie davor gesehen“ und so weiter. Ich tippe auf einen guten Zaubertrick.

Noch langweiliger sind Gabriel und Daniel aus der Schweiz (das mentale Doppel). Die Buben sind 20 und wissen fast immer was der andere macht. Goil. Daniel hat wohl Gabriel durch Eingebung mal das Leben gerettet. Dem einen werden die Augen verbunden und der andere steht drei Meter dahinter. Die namenlose Prominente muss dessen Finger berühren oder ihn in verschiedene Positionen bringen (z.B. der pinkelnde Hund). Der mit den verbundenen Augen macht dann die Figur nach oder zeigt auf den berührten Finger. Irgendwie bin ich nicht so beindruckt.

Endlich Action. Die Quotentussi ist am Start und will einen lebensgefährlichen Trick in einem Zylinder gefüllt mit Wasser machen, aus dem sie sich dank ihren mentalen Kräften rettet. Vorstellungs-MAZ von Amila, die magische Verführung (langsam bin ich mir sicher, dass die Beinamen von Pro7 Redakteuren ausbaldowert wurden). Ihr bester Freund meint, wenn er Amila nicht kennen würde, hätte er Angst vor ihr, weils aus ihren Augen so blitzt. Ich hab auch Angst. Mentalistin sein ist wohl außerdem ziemlich anstrengend, denn die gute Amila sieht mit 26 schon bissle verheizt aus.

Es folgt ihr Studioauftritt im Outfit mit leichtem Domina-Touch. Hoher Gröhl-Faktor im Publikum. Amila wählt Hirbel Simon und die Namenlose aus und führt sie zum Zylinder. Simon bekommt ein handelsübliches Fahrradschloss in die Hand gedrückt und darf den vierstelligen Code festlegen. Simon ist relativ doof, wie man hierbei merkt, oder einfach nur verwirrt von Amila´s Dress. Eine andere Blonde schreibt die Zahlen zur Sicherheit mit.

Sobald Amila in den Zylinder steigt, muss Simon einen Hebel betätigen, dann fließt das Wasser rein, und anschließend noch das Schloss befestigen. Amila thront auf dem Zylinder, entledigt sich ihres Umhangs und wird ins Becken gelassen. Simon ist mit seiner Aufgabe hoffnungslos überfordert, spielt den Clown und hat wohl zwischenzeitlich seinen dritten Samenerguss.

Simon muss von außen seine Hand an den Zylinder halten. Amila will seine Gedanken lesen und so den Code vom Schloss rausfinden und auf eine Tafel schreiben. Dabei reißt Simon weiterhin einen dummen Spruch nach dem anderen und das versteh sogar irgendwie ich als alter Mentalist: Die arme Amila kann sich nicht konzentrieren. Der Zylinder läuft hoffnungslos über, ein Pro7-Mitarbeiter kommt mit dem Bolzenschneider angerannt und die magische Verführung wird gerettet. Trottel des Abends ist eindeutig Simon. 1963 wäre sein Code gewesen, Amila lag knapp daneben. Aber wenigstens ist mal was passiert in der Bude.

Den Abschluss macht Waayatan, der indianische Schattenjäger aus Bad Kreuznach (auch fett eigentlich). Er kann irgendwas mit Schatten machen. Dafür muss Gäb auf einem Hocker Platz nehmen und die Augen schließen. Ihr Schatten wird auf eine Leinwand hinter ihr geworfen und Waayatan berührt dreimal ihren Schatten auf der Höhe der Schulter. Gäb meint sie ist dreimal berührt worden. Alle staunen. Gäb darf aufstehen und Waayatan berührt noch den Schatten des Hockers, der in sich zusammenfällt.

Tosender Applaus und absoluter Ausnahmezustand im Studio beim guten alten Bindfadentrick. „Wie hast du das gemacht!?“ Man könnte meinen, Gäb will von Waayatan sofort fünf indianische Bad Kreuznach Kinder. Uri Geller meint, Waayatan wäre fett, aber seine Performance müsste noch bissle besser werden. Meine Rede. Auf die Performance kommts an.

Langsam bin ich erschöpft. Das Publikum vor der Glotze darf nun anrufen. Uri Geller könnte eigentlich einen der Kandidaten direkt durchwinken, macht er aber nicht, weil alle great und wonderful und so waren. Woher kommt eigentlich Uri Geller? Na ja, der schweigsame Aaron fliegt im direkten Duell gegen Amila auf jeden Fall raus (vor der Entscheidung noch 20sekündiger Fernsehspot, klar). Domina gegen Lodenmantel, logisch wer da gewinnt. Hättest halt mal was gschwätzt, mein Guter. Das ist nämlich das wichtigste, wenn man im Fernsehen bestehen will, siehe Simon.

Ich hingegen hab knapp zwei Stunden Zeit verschwendet, aber das wusste ich ja schon davor. Außerdem fühl ich mich noch kranker. Es gibt Menschen die sagen, “Fernsehen fickt deine Seele”, an dem Spruch könnte was dran sein. Das ist eigentlich sogar richtig Mentalisten-mässig. Gut Nacht.

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