VVS-Trilogie Finale: Because Of The Town

Oh my god, it´s Weil der Stadt!

Kribbeln im Bauch. Der Tagesurlauber hat auf dem Gymnasium Leonberg sein Abitur gemacht und war im Rahmen der Abi-Festspielwochen für den Abi-Film zuständig. Den hat man damals in Weil der Stadt gedreht. Das ist exakt 12 Jahre her. 12 Jahre war man folglich nicht mehr dort. Warum auch?

Weil der Stadt ist der Geburtsort des Astronomen und Mathematikers Johannes Kepler, die Stadt der Vereine und der vielen Wirtschaften, was bei früheren Generationen in sämtlichen Nestern in einem Radius von 30 Kilometern als wichtiges Indiz für hohe Lebensqualität galt. Zudem zählt Weil der Stadt zu einem jener Dörfer, in dem die Einwohner zur Fasnet kollektiv eine Zeitreise ins Schimpansenstadium antreten.

Kurzer Kontakt mit dem High-Tech-Bahnhofs-WC und den vier örtlichen Obdachlosen („Ey du da!“) und ab durch die Mitte in die City. Es ist brütend heiß und ehe man sich nach der Solariumschickse samt pinkfarbenden Lippen umgedreht hat, steht man vor dem Jugendhaus „Kloster“. Kurz eine Träne verdrückt, denn hier wurde zum Teil der Abimovie aufgenommen, und schon steht man auf dem Marktplatz. Oh mein Gott, thats the real Provinz-Shit!

Dieser Marktplatz wäre die optimale Kulisse für einen düsteren Tatort, in dem ein Metzgermeister seit 30 Jahren wild um sich schlachtet. Nachdem im Neckar ein 18jähriges Mädchen gefunden wurde, nimmt Kommissar Bienzle (R.I.P.) den Fall auf und dank einer verrosteten Wurstbüchse in der Hand der Leiche führt ihn die Spur direkt nach Weil der Stadt, aber das komplette Dorf verschwört sich gegen ihn und versucht das dunkle Geheimnis zu verbergen, weil der Metzger eigentlich ein Guter ist und die besten Schnitzel klopft….

Vielleicht mag es Einbildung sein, aber auch der Autor im knallgrünen T-Shirt und noch grüneren Nike Air hört die Rollläden runterrauschen, sobald er auftaucht. Die Telefondrähte laufen heiß. „Du, da isch oiner, der fodografierd wie bläd durch de Gägend.“ Strohballen rollen durchs Bild.

Weil der Stadt ist optisch keine Meisterleistung. Der Gesamteindruck ist gehörig schräg. Zwar wahrscheinlich so klinisch rein wie jede andere schwäbische Stadt, wirkt Weil aber irgendwie schäbig und – ja – arm. Der Einzelhandel lässt stark zu wünschen übrig. Das Kepler Museum hat leider geschlossen. Der Schlecker ist natürlich offen.

Nachdem man durch die Stuttgarter Straße geschlendert ist und am lokalen Kino vorbei das Königstor durchquert hat, fragt man sich was man hier noch soll und tritt nach knapp zwei Stunden den Rückzug an. Nachher wird man noch am Marktplatz unter tosendem Beifall aufgeknüpft.

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