9 m³ Nebel

Ich versteh zwar kein einziges Wort, aber ist bestimmt ne voll dufte Veranstaltung.

Ist Rauch heute nur noch Schall und Rauch? „Rauch war im Industriezeitalter ein Symbol für Fortschritt und Arbeit, doch was hat er heute für eine Bedeutung oder Wirkung??, das fragt sich der Architekt Niklas Nitzschke, der dem Verschwinden des wabernden Mediums in einem künstlerischen Experiment auf den diffusen Grund gehen will.

In seiner Diplomarbeit „Smoking Architecture. Das Ephemere und die Architektur? untersucht Nitzschke die Verwendung flüchtiger Materialien als architektonisches Medium. So wird der Diplomant der Universität Stuttgart in einer Kooperation mit der Ausstellungsreihe Exp. des Interventionsraums in dem von Stuttgarter Kunstakademiestudenten gegründeten Off-Space am Freitag und Samstag für dicke Luft im wahrsten Wortsinn sorgen. Künstlicher Nebel wird durch den Galerieraum wabern, gequescht zwischen die Schaufensterfront an der viel frequentierten Marienstraße und einer eigens im hinteren Drittel des Raumes eingezogenen Glaswand. „9 m³ Nebel? lautet der Titel dieser Installation. Und anders als Caspar David Friedrichs romantischer Wanderer über dem Nebelmeer wird der Besucher hier ganz direkt mit der wahrnehmungssensibilisierenden Wirkung im Nebelmeer selbst konfrontiert. Er wandert durch dieses Dazwischen, die Außenwelt verliert ihre Konturen, genauso wie er selbst, er erkennt und sieht doch nicht, ist unter Menschen und doch mit sich selbst allein in diesem gedämpften Zwischenstadium zwischen Gas und Materie, zwischen Raum und Schaufensterauslage.

(Text: Vivien Moskaliuk)

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