2:0 Holland

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Uh, böse Überschrift! Aber ey, Holland gewinnt einfach. Zumindest bei diesem Eintrag.

Ich hab mal wieder meinen CD-Bestand erhöht und mir die Alben von Fat Freddy´s Drop (Neuseeland), Martyn (Holland) und die Delsin II Compilation zugelegt.

Fat Freddy´s Drop befinden sich – zumindest denkt man das als Außenstehender – in einer schwierigen Situation, wahrscheinlich in der schwierigsten überhaupt, in der man als Künstler stecken kann: Denn gleich mit dem ersten Album „Based On A True Story“ hat sich die Combo unsterblich gemacht.

Ich kann mich noch genau dran erinnern, als im Frühjahr die Promo via Sonar ins Büro kam und ich die erst einmal sträflich auf den Stapel anderer belangloser CDs (Stichwort „Bekommen wir da ne Rezi? Wäre ganz toll.“) gelegt und ignoriert habe. Fett wer? Dabei ist Sonar Kollektiv bekanntlich ein Gütesiegel (wobei ich aktuell ausm Sonar-Bizz etwas raus bin muss ich gestehen).

Keine Ahnung wann, warum und wie ich mich „erbarmt“ habe die CD letztendlich im Schlund meines Computers verschwinden zu lassen. Gott sei Dank, denn vom ersten Ton an war das Album jedenfalls eine Offenbarung. Nach und nach wurden die erdigen Puschel von Down Under zum Hype. In Neuseeland selbst eroberten sie, wenn ich das richtig im Kopf hab, Platz 2 der Charts.

Ein gerechter Erfolg. An „Based on“ kann man sich bis heute nicht satt hören und Singles wie „Flashback“ (im grandiosen Jazzanova Remix) oder „Wondering Eye“ wurden mancherorts zu Gassenhauern.

Nun steht mit einjähriger Verspätung (wie Krupa meinte) der Nachfolger „Dr. Boondigga & The Big BW“ in den Läden – allerdings nur via Import wie ich gerade feststelle. iTunes ist noch nicht bestückt. „Dr. Boondigga“ erscheint auch auf ihrem (wohl?) eigenen Label „The Drop“.

Der Titeltrack „Big BW“ rumpelt auch schön los und man fühlt sich sofort wieder mit der Band wieder vertraut. Im Anschluss folgt allerdings ein 125 BPM schnelles Dub-House-Stück, das man zwischen gut und schlecht nicht richtig einsortieren kann. Danach geht es im grundsoliden Freddy´s Style gechillt weiter – allerdings fehlt für mich die Magie von „Based On“.

Die Luft scheint etwas raus zu sein und es beschleicht einen das Gefühl, dass die Jungs damals einfach zur richtigen Zeit den richtigen Nerv getroffen haben. Und, was ich auch nie gedacht hätte, Joe Dukie, der Mann mit dieser phantastischen Stimme, kann einem doch tatsächlich auch mal auf den Senkel gehen. Dazu kommt, dass manche Tracks schlicht und einfach stinklangweilig sind. Aber alle Angaben ohne Gewähr und stark subjektiv.

Wesentlich spannender finde ich hingegen das erste Album von Martyn. Den Holländer bin ich bereits schon vor ein paar Monaten kreuz und quer durch die Stadt nachgejagt und der Tobi aus dem Pauls hat es mir dann bestellt. Ich besass bereits zwei Maxis auf seinem Label 3024 und war von dieser Fusion aus Dubstep, DnB und Detroit-Elementen fasziniert.

Sein Debütalbum „Great Lengths“ entzieht sich ebenso jeglichen Schubladen. Klar sind seine Tracks ziemlich tricky breaky und schwerst untanzbar, aber Martyn fesselt den Hörner mit seinem tiefgängigen, vielschichtigen und verschachtelten Soundentwürfen, wie ich es zu letzt vielleicht aus den guten Tagen eines Prefuse 73 noch in Erinnerung habe. Zwischendurch gibts auch mal schwermütige Viervierteltakt-Heuler, denn das kann Martyn Minimum genauso gut.

Den Viervierteltakt aus dem Effeff beherrschen natürlich seine Landsleute von dem Label Delsin. Der Techno-Connaisseur sollte die Amsterdamer längstens auf dem Schirm haben, auch in meine Sammlung wanderte die letzten fünf Jahre immer mal wieder ein Maxi-Veröffentlichung in meine Sammlung. Zum fünfjährigen ist nun die zweite Labelwerkschau auf Doppel-CD erschienen (inklusive einem Booklet mit Kurzinterviews mit allen Acts).

Man könnte nun philosophieren, ob Delsin das Erbe von Detroit würdig weitertragen oder ins neue Jahrtausend transformiert haben oder einen Spirit bewahren oder ob Acts wie Vince Watson, Quince, Redshape, DJinxx oder Newworldquarium Neo-Detroit-Acts sind, letztendlich handelt sich sich hierbei einfach um grundsoliden und hochqualitativen Techno.

Oder um es mit Laurent Garnier zu sagen: „One of the rare record companies that never follows trends, but only it´s true dedication to beautiful music. Delsin is timeless.“ Da kann man doch mal „worden“.

Gerade wenn ich so Zeug höre, dann schlägt mein Herz vielleicht doch leicht mehr für Techno anstatt für HipHop. Uneingeschränkte Kaufempfehlung – und heute haben eben die Holländer mal die Nase vorn (auch wenn es nächstes Jahr bei der WM natürlich wieder nix wird, gell Bendax 😉 ).

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7 Comments

  1. says: sierrasierra

    sooo: hab jetzt endlich das vollständige fat freddys drop boondigga-album gehört: resüme: maadiiin, wie du selbst sagst: musik ist halt geschmackssache, gell. 😉 nicht die pop-nummer, aber sehr geil. anders halt. trotzdem richtig gut! und der track boondigga ist auch’n smoother gassenhauer.

  2. says: der Felix

    haha, ja, DoppelROLF. Hab mich glatt »verpostet«. FFD wollt ich dann abändern in die ausgeschriebene Version und das ganze dann auch löschen und in ’nen anderen – eindeutigeren – Beitrag rein. Beides nicht hinbekommen #neuland 😉

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