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Stuttgart 21

Die Event-Demonstranten

Montag, 12. Juli 2010 // 12:20 Uhr // martin

Es liegt in meiner Natur, dass ich bislang noch nicht als Demonstrant aufgefallen bin. Wiederum liegt es in meiner Natur, dass ich mir alles mal anschauen muss, um mir selbst meine Meinung zu bilden, in diesem Fall eben, wie es auf einer S21-Protestveranstaltung zu geht. Okay, ich war ja schon beim Prellbock anheben. Da war es in erster Linie sehr laut.

Montagabend 18:00 Uhr ist aber überhaupt nicht meine Zeit, Samstagmittag, schönes Wetter, bissle im Park mit Krupa und Co. rumhängen sind da schon eher mein Ding. Also hab ich mir mal die wirklich sehr groß angekündigte Demo im Schlossgarten angeschaut. Außerdem ist ja Max Herre da. Dem kann man auch mal wieder ein Chance geben.

Also mit den Rädern durch die City und an der Flashmob-Wasserschlacht vorbei, wo sich ein paar Hansel nassgemacht haben. War kein Bild wert. Aber ey, ist diese Hitze nicht abartig fett? Wie es runter drückt? Wie so eine Wand? Ich bin voll der Hitzetyp mittlerweile.

In der Nähe des Staatstheaters haben wir die Bikes abgeschlossen, sind dann über die Brücke gelaufen und konnten von dort aus schon das Szenario betrachten.

Mein erster Gedanke war: Ui, dachte da sind jetzt etwas mehr Leute, Hitze hin oder her, womit wir wiederum schon beim Thema des vergangenen Wochenendes sind.

Im Laufe der Veranstaltung gaben die Organisatoren eine Zahl von circa 20.000 Besucher durch. Wir schauten uns dabei leicht ungläubig an. Am Abend stand dann in der StZ, dass die werte Polizei circa 5000 Leute geschätzt hat. Krasse Abweichung, hä? Meine Meinung dazu:

1. Das waren keine 20.000 Leute. 20.000 Menschen sind wirklich sehr viel. Etwas weniger als anderthalb mal Schleyerhalle. Oder der halbe Startblock des Berlin Marathons.

Das Bild ist nur ein Auszug des Geländes, klar, überall und vor allem unter den Bäumen sassen Menschen und drum herum war ziemlich Bewegung. Trotzdem, never ever 20.000.

2. Die Wahrheit liegt für mich persönlich nicht mal in der Mitte, wie man so schön sagt, sondern eher, auch wenn das jetzt manche nicht hören wollen, näher bei der Zahl der Polizei.

Thorsten und Krupa spekulierten auf circa 10, Elmar auf 8. Bin ich halt der Pessimist oder einfach ein schlechter Schätzer, mir egal. Kann damit leben.

Interessant fand ich dann die Diskussion beim StZ-Artikel, in der viele S21-Gegner prompt wieder eine Verschwörung des Staates rochen, die Polizei habe doch “von oben” den Befehl bekommen, die Anzahl möglichst low zu halten. I like Verschwörungstheorien.

Auf der anderen Seite machten sich in derselben Diskussion die Befürworter bissle lächerlich, welche die scheinbar niedrige Beteiligung wiederum als riesige Akzeptanz für S21 in der Bevölkerung uminterpretierten. Auch das glaube ich nicht, Tim.

Kurz nachdem wir das Gelände betraten, folgte der nächste Schock. Ein Rapper namens Borna betrat die Bühne und performte den “Oben Bleiben”-Rap (oder so ähnlich), angeblich die Hymne der Bewegung. Sorry, dass ich das sagen muss, aber auch der Krupa ist definitiv bei mir: Rein musikalisch und rap-technisch war das wirklich nicht gut. Mir hat es leicht den Magen verdreht. Krupa hat nen Clip gefunden.

YouTube Preview Image

Dann macht wir uns auf die Suche nach dem Krupa, vorbei an Ständen und Protestplakaten. Am offiziellen K21 Merchandise-Stand wurde der Stern-Artikel freudig ausgelegt…

…ein paar Schritte weiter Aktionstrainingsablauf erläutert…

…oder Ötti geärgert.

Kurz darauf dann den Krupa und Ben getroffen, mit den halt abgehangen und dem Spektakel gelauscht. Atmo war allgemein entspannt – und friedlich (muss man immer dazu schreiben, wenn Prostestveranstaltungen friedlich bleiben).

Krimiautor Wolfgang Schorlau hat eine Vision vorgelesen, wie im Jahr 2025 alle S21-Initiatoren wie Schusti, Ötti, Grube, Drexler etc. verhaftet und zu kuriosen Strafen verurteilt werden. War nen bissle witzig, hab ein, zwei mal geschmunzelt. Richtig gekickt hat es nicht. Bei den Namen Schuster und Drexler wurde gepfiffen was das Zeug hält. Der Feind ist klar definiert.

Ansonsten haben mich die Redner allgemein relativ wenig berührt. Rhetorisch auch oftmals eher schwach, eine löbliche Ausnahme bildete da der Putte, der hier auch schon zu Wort kam und sachlich-nüchtern und verständlich gesprochen hat. Das war nicht an diesem Nachmittag nicht die Regel, hat man z.B. die Pfarrerin Müller-Enßlin (keine Ahnung ob sie mit der Gudrun verwandt ist) oder die gefühlt 12jährige quäkende Studentenabgesandte im Ohr.

Ganz schlimm war der Horscht von den Linken aus München, wobei wiederum Stammtisch-Klassenkampf auf bayrisch sehr lustig klingt. Trotzdem dachte ich mir, dass man sich auch im größten Widerstand nicht mit allen Parteien solidarisieren muss. Witziger Kommentar bezüglich des Linken auf der Stz: “Ich bin sofort gegangen.”

Dann doch lieber der Herr von den Grünen, der ein paar Beispiele dafür gab, was man mit 10 Milliarden (das ist so die propagierte Zahl der Protestbewegung, also Bahnhof plus Neubaustrecke, wurde mehrere Male erwähnt) im deutschen Schienennetz alles anstellen kann, so damit mehrere Regionen was davon haben und nicht nur wir nen schönen neuen Bahnhof. Das klang für mich schlüssig.

Irgendwann schallten Kettensägen auf, quasi eine künstlerische Performance. “An diesen Sound wollen wir uns nicht gewöhnen!”, rief der Moderator Hannes Rockenbauch von der SÖS ins Publikum. 282 Bäume sollen wegen S21 im Schlossgarten gefällt werden, eines der Hauptthemen am Samstagnachmittag.

Zwischendurch stieß Thorsten in einem astreinen Blogger-Freizeit-Look zu uns und außerdem gab es ne Rote. Ich bin voll auf Wurscht diesen Sommer. Thorsten meinte, so Leute-mässig werden schon alle Klischees erfüllt, Krupa und ich hingegen fanden es eher buntgemischt. Gut, eine alternative Schlagseite lässt sich definitiv ausmachen, außerdem leichter Überschuss an älteren Menschen.

Zwischendurch trappten aber z.B. auch MC B vorbei…

…oder eine, ähm, wie nennt man das jetzt?

Auf jeden Fall hat sie sich es schön leicht gemacht, wie meine Mutter im Sommer zu sagen pflegt. Wusste gar nicht mehr, dass es so Schuhe mit Metall hinten dran noch gibt.

Rapper Tobias Borke und sein Beatboxer, beide sonst bei der Urban Session im Bix aktiv, kompensierten den Auftritt von Borna mit knackig-sitzenden Reimen und feiner Beatbox-Action. Respekt, war echt cool. Kam auch bei den Leuten gut an.

Nach Gangolf Stocker, sozusagen das Gesicht der Bewegung, der auch nur ein paar kurze warme Phrasen servierte, hab da irgendwie mehr erwartet, aber der muss ja bestimmt oft genug schlau argumentieren, kam noch so ein schrägsingender Gitarrenvogel und dann endlich Max Herre. Erstes Lied ging mehr oder weniger um Berlin, zweites war A-N-N-A, drittes kein Plan, beim vierten sind wir dann gegangen. War aber bestimmt gut.

Der Megacoup der Veranstaltung folgte dann um 20:00 Uhr: S21, die Demo inkl. Sternenmarsch war erstes Thema in der Tagesschau. Hat man wieder was erreicht. Und da ist dann fast egal ob eben 5.000 oder 20.000 Leute da waren.

Max mittendrin

Mittwoch, 7. Juli 2010 // 17:30 Uhr // martin

Die Flyerverteiler und Plakatierer leisteten ganze Arbeit, da müsste sogar selbst Patti the Posterer vor Neid erblassen. Am Samstag große Action im Schlossgarten, mächtig viel Prominenz am Start, darunter unser (ehemaliger) Lieblingsbarde Max Herre. Sternemärsche klingt jedenfalls nach einem dramatischen Samstagmittag in der City.

Zufälligerweise, oder vielleicht auch nicht zufälligerweise, macht heute eine Studie von der Züricher Firma ZMA die Runde, die vor knapp zwei Jahren vom Ba-Wü Innenministerium in Auftrag gegeben würde – und seitdem laut Stern unter Verschluss ist. Weiterhin heißt es weiter auf Stern Online:

“Konflikte zwischen Hauptbahnhof und Flughafen mit dem Regionalverkehr” stellen die Gutachter fest, das alles sei “nicht kompatibel mit den angenommenen Fernverkehrszügen in Stuttgart”. So befürchten sie Fahrzeitverlängerungen. Außerdem monieren die Gutachter ein “hohes Stabilitätsrisiko”, eine “knapp dimensionierte Infrastuktur” und stellen laut stern fest: “Gestaltung des Fahrplans nur in geringem Maße möglich”.

Auch der SWR berichtete heute darüber, die StZ hat vorhin einen etwas ausführlicheren Artikel veröffentlicht, der gleich wieder prompt heißt diskutiert wird. StZ-Online und S21 beschte Unterhaltung in Town.

Mein erstes Mal: Büchle selber machen

Donnerstag, 24. Juni 2010 // 12:00 Uhr // Außenreporter

Wenn man nix Gescheites gelernt hat, wie ich, muss man irgendwann einsehen, dass die Wunsch-Statusmeldung fürs eigene Leben – Haus am See und Haus am Meer – auf die nächsten drei Leben vertagt werden muss.

Da man sich die Zeit bis dahin aber irgendwie vertreiben muss, hab ich in den vergangenen Monaten was ganz Neues ausprobiert: Büchle (mit-)gemacht.

Beim Thema Buch wird jeder, der mit Buchstaben seinen Lebensunterhalt verdient, irgendwie wuschig. Die Hierarchie der angesehenen Medien in der Text-Branche ist, um es mit der deutschen Nationalmannschaft zu sagen, etwa so: Blog/Internet ist Khedira, auf dem Sprung, zu Höherem berufen.

Magazin ist derzeit irgendwie Lahm, wenn man eine Nische besetzt: Anzeigen kommen wieder, die Wertschätzung steigt, es kann schon wieder richtig kicken, zur Sicherheit verteilt man aber besser etwas Verantwortung auf weitere Schultern wie Schweinsteiger, Mertesacker und Co. Tageszeitung ist dagegen total Ballack, Champions League und so, hat ihre beste Zeit aber wohl hinter sich.

Ein Buch ist aber voll Jogi Löw: Sieht gut aus, hat Ahnung und dürfte auf Jahre hinaus unbesiegt bleiben – wenn man die höggschte Disziplin nicht verliert.

Die Idee zum Buch lag in dieser Stadt auf der Hand. Ein Bahnhof spaltet die Schwaben, die einen wollen das Ding unbedingt erhalten und sprechen von Vetterles-Wirtschaft, Monster-Bau-Chaos und sonstigen Katastrophen.

Die anderen finden den alten Bonatz hässlich und versuchen seit 20 Jahren total erfolgreich, Werbung für das Ende des bisherigen BHFs zu machen. Stuttgart 21 = Schnappatmung auf allen Seiten. Also könnte man doch mal die Stimmung kurz vor S21 einfangen.

Der Stuttgarter Fotograf Lutz Schelhorn hat ein Jahr lang fette Fotos vom Hauptbahnhof geschossen, mit einer Kamera, die ähnlich alt ist wie die Spielweise von Otto Rehakles, eine Plaubel Mittelformat aus den 60ern. Die Bilder sind ziemlich spannend geworden, ganz untypisch für den hiesigen Bahnhof, Lutz spielt sehr schön mit Licht und den Menschen, die sich im BHF begegnen.

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Seitenflügel ade

Donnerstag, 20. Mai 2010 // 11:38 Uhr // martin

Die Seitenflügel des Stuttgarter HBF dürfen im Zuge von S21 abgerissen werden. Das Urheberrecht wird nicht hinreichend verletzt, entschied das Landgericht Stuttgart heute früh. Peter Dübbers, Enkel und Erbe des HBF-Architekten Paul Bonatz, hatte eine Urheberrechtsklage eingereicht.

Dazu Schusti: „Nach dem Urteil des Landgerichts gilt es nun den Blick nach vorn zu richten und mit Umsicht die Baumaßnahmen fortzuführen.

Mir ist die sorgsame Erneuerung des Hauptbahnhofes außerordentlich wichtig: Das eindrucksvolle Hauptgebäude gehört zu den Erkennungsmerkmalen der Landeshauptstadt und es bleibt auch integraler Bestandteil des künftigen Hauptbahnhofes.

Es ist Aufgabe der Deutschen Bahn AG, dies mit Blick auf den Denkmalschutz und die Wiedererkennbarkeit des Gebäudes sensibel umzusetzen. Ich würde es außerordentlich begrüßen, wenn Herr Peter Dübbers sich konstruktiv in den Fortgang der Planungen einbringen würde, um den historischen Bonatzbau mit dem neuen Durchgangsbahnhof möglichst qualitätsvoll zu verbinden.“

Unsere Stadt

Donnerstag, 6. Mai 2010 // 15:00 Uhr // martin

“Wir sind vor allem Bürger, die sich durch Stuttgart 21 entmündigt fühlen, weil sie zu keinem Zeitpunkt ernsthaft mit einbezogen wurden. Wir sind davon überzeugt, dass das Herz Stuttgarts seine Menschen  sind.”

Mit diesen Worten ging vor kurzem die Initiative Unsere Stadt online und ab Freitag, 7. Mai beginnt die lange geplante Aktionswoche, die in der Röhre, Wagenhallen und Rocker 33 stattfindet.

Thorsten Puttenat, in der Musikszene auch unter dem Namen Putte bekannt, erklärt uns was es mit Unsere Stadt und der Aktionswoche auf sich hat. Weitere Artikel findet man in der Stuttgarter Zeitung bzw. bei den Stuttgarter Nachrichten.

Was ist genau Unsere Stadt, wer verbirgt sich dahinter, wie kam es dazu?

Joachim, Oli und ich kennen sich gegenseitig bereits seit vielen Jahren. Und der Zufall wollte es, dass wir uns seit Dezember plötzlich jeden Montag auf den Demos trafen. Und wie das eben so ist, trinkt man danach ein Bier. Da kam uns die Idee, gemeinsam aktiv zu werden. Da kam dann der Steffen dazu.

Zu Anfang drehte sich alles um S21, aber schon bald merkten wir, dass der Kontext weit größer ist als der Plan einer Tieferlegung unseres Bahnhofes. Es geht um die Frage “Wem gehört die Stadt”, und was bedeutet “Stadt?”

Mehr oder weniger rhetorisch, aber wem gehört sie denn?

Die Stadt gehört dir und mir und allen anderen, die in ihr Leben. Wir arbeiten in ihr, besuchen uns liebgewonnene Orte, etc kurzum: Wir verbringen hier die meiste Zeit und wollen uns deshalb mit dieser Stadt identifizieren.

Was wollt ihr direkt bewegen/erreichen?

Es geht um Mitbestimmung, Partizipation. “Die Stadt” ist nicht die Stadtverwaltung im Rathaus, die Stadt sind wie gesagt wir alle. Hier gilt es, sich bewusst zu machen, dass ein Jeder von uns das Recht auf Mitgestaltung hat.

Dieses Recht aber kann nur dann verwirklicht werden, wenn man es sich im demokratischen Sinne, nimmt. Das wollen wir nun in Anspruch nehmen, zusammen mit mehr und mehr anderen. Ohne Steine zu werfen, sondern mit Herz, Ideen und Verstand.

Welchen Dialog sucht ihr? Geht ihr auch auf die Stadt zu?

Wir bewegen uns ja schon in der Hinsicht auf die Stadt zu, dass wir versuchen, etwas “anzuschieben”. Was die Stadtverwaltung anbelangt (auf die Du anspielst), sind wir innerhalb der Initiative zwiegespalten.

Ein Teil von uns sieht diesen Weg als sehr attraktiv, mit erhobenen Hauptes Parteien und Fraktionen des Gemeinderats für unsere Ideen zu gewinnen. Der andere Teil favorisiert die komplette Unabhängigkeit von der Politik. Ein schwieriges Thema, aber auch eines dem man sich durch Versuche nähern kann. Wir stehen ja schließlich erst am Anfang, das geht nicht hopplahop.

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Sandwelten 2010

Mittwoch, 5. Mai 2010 // 13:00 Uhr // martin

Punktgenau am 1. April sorgte ein Artikel in der Stuttgarter Zeitung für Lacher. Große PR-Aktion, Stuttgart 21 wird ab Anfang Mai auf dem Killesberg als Sandburg zu sehen sein, großzügig unterstützt vom Kommunikationsbüro des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm.

Ein Großteil der Leser dachte an einen Aprilscherz (auch wenn im Artikel explizit stand, dass es sich um keinen handelt), die so mancher (Gegner) erfreute sich an der Steilvorlage bzw. an der kostenlosen Negativ-PR. S21 zerbröselt quasi bevor es gebaut wurde.

Peter Streibel, auch unter dem Namen Don Cohone bekannt, und einer der Mitveranstalter von Sandwelten 2010 erklärt kurz vor Sandelbeginn: “Wir sind ein eigenständiger Event und keine PR-Aktion von Stuttgart 21. Die sind einer unserer Sponsoren und wir bilden eine Skulptur des Bahnhofes nach.”

Der vermeintlich neue Bahnhof ist dabei nur eine Skulptur von insgesamt 10. Unter dem  Thema „Mobilität der Zukunft“ werden vom 9. bis 21. Mai von den weltbesten Carvern, so nennen sich die Sandburgen-Bauer, die bis zu drei Meter hohen Objekte aufgeschaufelt und dabei 500 Tonnen Sand verwendet.

Am 22. Mai wird die beste/schönste Burg von einer Jury aus Experten und Prominenten prämiert und anschließend sollen diese dank hohen Lehmananteil im Sand im Lindenhain-Areal bis Ende September übersommern. Nebenbei wird eine Strandbar samt Liegestühle und Bühne aufgebaut.

www.sandwelten2010.de

Das ist das Ende…

Montag, 29. März 2010 // 20:58 Uhr // Thorsten W.

… von Recht und Ordnung in Stuttgart, haben sich heute Abend bestimmt einige Passanten und Autofahrer gedacht. Da lauf ich nichts ahnend vom Hauptbahnhof in Richtung Rocker und denk, komm, ich guck mir mal die Montagsdemo gegen S21 an.

Und was müssen da meine müden Augen sehen? Eine nicht kleine Gruppe Demonstranten, die quer über die Heilbronner Straße stehen und den Verkehr zum Stillstand bringen. Ich hab da ja wie schon öfter gesagt keine eindeutige Meinung, aber die Aktion fand ich schon sehr cool!

Die Polizei war glaube ich eher überrascht von der Sache, die Damen und Herren in Grün standen etwas ratlos rum. Die Demonstranten, die übrigens hippe Jutesäcke mit “K21″-Aufdruck (Kopfbahnhof 21) um den Hals trugen, entsprachen übrigens dem (oder meinem) allgemeinen Bild von Demonstranten: Alt-68er mit Anorak und Bart neben Studenten mit Rucksack und Dreadlocks. So, wären die Klischées auch bedient.

Erwähnt werden sollte vielleicht noch, dass die Leute offenbar bemüht waren, nicht zu viel Ärger zu machen – niemand wurde gefährdet und nach ein paar Minuten war die Straße wieder frei, ohne Einschreiten der Polizei.

Und hier noch der offizielle Schlachtruf, kannte ich bisher noch nicht:

Wir sind hier, wir sind laut
weil man uns den Bahnhof klaut.
Wir sind hier, wir sind laut,
weil man uns die Stadt versaut.

We love Baustelle…

Donnerstag, 18. März 2010 // 8:47 Uhr // martin

…beziehungsweise, wir bauen so, dass Sie es nicht merken, soll uns dieser brandneue Clip wohl sagen. Nun ja.

Auf einer Herz-Europas-Unterseite kann man übrigens den Baufortschritt in High Quality Bildern begutachten.

Bezüglich Planung ist alles und so, hier noch ein ganz interessanter Artikel in der StN oder gleiches Thema auf der StZ.

Stuttgart 21 meets Frontal21: Das ZDF-Politmagazin setzt sich heute Abend (Beginn 21:00 Uhr) unter dem Titel “Milliardenloch im Schwabenland” mit Stuttgarts größter Vision auseinander.

Wenn man sich die Vorabinfo zum Bericht durchliest, muss man (mal wieder) schon bissle schlucken.

“Der Bundesrechnungshof kritisiert eine Finanzierungslücke von fast 2,5 Milliarden Euro. Nach Recherchen von Frontal21 sind die Berechnungen der obersten Rechnungsprüfer den Verantwortlichen von “Stuttgart 21″ bisher unbekannt”, heißt es gleich zu Beginn im Text.

“Laut Bundesrechnungshof fehlen 1,2 Milliarden Euro für die Finanzierung des Bahnhofsprojekts selbst und weitere 1,2 Milliarden für eine angeschlossene Hochgeschwindigkeits-Neubaustrecke über die Schwäbische Alb nach Ulm.”

“Während Bahnspitze und Stuttgarter Prominenz schon den Start feierten, erregen sich viele Stuttgarter gegenüber Frontal21 über den Bau. Angesichts leerer Kassen sei das eine “komplette Verantwortungslosigkeit der Politiker”. Ein anderer Projektgegner sieht die Demokratie mit Füssen getreten. Denn 72 Prozent der Stuttgarter Bürger und über 60 Prozent der Einwohner Baden-Württembergs seien gegen den Neubau.” (Woher sie diese Zahlen haben, weiß ich nicht.)

“Der Bundesrechnungshof kritisiert zudem, dass der Bund den größten Teil der Kosten zu tragen hat. Entscheidungen über “Stuttgart 21″ hätte somit der Bundestag treffen müssen. Beschlossen aber wird über das Projekt in Baden-Württemberg.”

Dann ist noch von einem Netzwerk der Profiteure die Rede, ein Gebräu aus Politik und Wirtschaft, bei dem sich ein paar wenige frisch machen, wie z.B. ein Tunnelbohrmaschinen-Hersteller (Aufsichtsratschef Lothar Späth), der kürzlich 70.000 Euro an die CDU gespendet hat, in der Hoffnung schöne Aufträgle zu bekommen. Aber so läuft das halt nun mal.

Mehr Infos zur Sendung

Unser Bahnhöfle

Dienstag, 23. Februar 2010 // 9:00 Uhr // Thorsten W.

Na, wann wart Ihr zum letzten Mal auf dem Stuttgarter Bahnhofsturm? Als Stuttgarter ignoriert man ja gern die klassischen Touri-Ziele – und verpasst dadurch durchaus Lohnenswertes. Ich geh ab und zu mit meinem Kleinen auf den Turm, und war jetzt am Sonntag wieder oben. Super Wetter und Gelegenheit für ein paar Impressionen:

Klassiker: Blick auf die Königstraße

Unser Fernsehtürmle, hinten

Das ist der Teil, der dank Stuttgart 21 bald weg ist – nicht besonders schade, oder?

Schlossgarten, noch bissle braun. Wird Zeit dass es Frühling wird.

Blick zu meiner neuen Arbeitsstelle. Schee.

’s Rogger, da hinten

Als interessierter Bürger der Stadt hab ich mir natürlich auch die Ausstellung zu Stuttgart 21 im Turm angeguckt (wobei da jetzt wirklich überall nur noch “Das neue Herz Europas” steht, Stuttgart 21 will da wohl keiner mehr hören).

War sehr interessant und durchaus gut besucht, für nen Sonntag Nachmittag. Da werden einige Möglichkeiten geboten, sich das ganze Ausmaß mal etwas plastischer anzuschauen – von der Miniaturlandschaft bis zur interaktiven Präsentation.

Zwei Sachen sind mir dabei aufgefallen: In allen Modellen und Schaubildern steht die Alte Bahndirektion (Rogger) noch, und zwar alter und neuer Teil. Und der große Bereich, wo jetzt die Gleise liegen, die ja dann unter die Erde kommen, wird komplett bebaut – ich dachte irgendwie immer, das wird grün, Park und so.

Ansonsten sieht das natürlich nach schöner neuer Welt aus, mit einem so oft zitierten Nutzungsmix aus Büros, Einzelhandel, Gastronomie und Wohnen – allerdings mit dem Zusatz “hochwertiges Wohnen”.

Aber so richtig kann ich mir das immer noch nicht vorstellen, dass da richtig Leben rein kommt – vor allem, wenn ich mir die ersten Vorboten von Stuttgart 21, äh, neuem Herz, so anschaue: Das schreckliche Ghetto um den Ufa-Palast etwa oder den architektonisch zwar reizvollen, aber ebenfalls toten “Pariser Platz”.