Ablesen macht’s auch nicht besser…
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Politik
Jawohl! Sehr beruhigend, dachte immer mein Kumpel Guido und ich sind am untersten Englisch-Level.
Keine Frage, wir machen alle unsere Fehler, tagtäglich. Für die schreibende Zunft mit am Schlimmsten sind falschgedruckte Namen. Da kommen böse Anrufe. Mir freilich auch schon passiert. Da beißt man sich kräftig in Arsch und kann sich nur 1000 Mal entschuldigen.
Der sympathische Lokalsender Regio TV hat aber wohl schon vor lauter Oettinger-Abschied vergessen, wie unser verehrter Landesvater aussieht und gestern Abend bei einem Bericht über die Eröffnung der neuen IBM-Deutschlandzentrale in Ehningen bei Böblingen prompt den lokalen Bürgermeister mit dem Ministerpräsidenten verwechselt.
Dabei kann man doch eigentlich Mr. Burns gar nicht mit jemanden anderem verwechseln!
Beide freuen sich übrigens tierisch, dass IBM in der Region bleibt und der Herr Bürgermeister freilich über die hohen Steuereinnahmen. Lets move to Ehningen.
Heute kam überraschend die traurige Nachricht. Günther geht. Als unser Ministerpräsident hat er alles erreicht, jetzt will die Angie, dass er nach Brüssel geht als EU-Komissar.
Das ist natürlich toll für Günther, weil jetzt bekommt er einen noch größeren Dienstwagen, darf drei mal die Woche zwischen Brüssel, Straßburg und Stuttgart pendeln und dickes Sitzungsgeld einstreichen.
Es ist aber auch traurig für unser Ländle – denn wir haben ihm viel zu verdanken. Unter all seinen vielen Verdiensten ist es wirklich schwer, die herausragendsten hervorzuheben.
Vielleicht die größte und längste Baustelle der Welt für 3 Minuten weniger Fahrzeit nach Ulm (wer auch immer da hin will). Oder den ersten baden-württembergischen Politiker auf dem bundesweiten Bild-Titel.
Günther kann aber noch mehr. Z.B. kennt er sich mit Sprachen aus: „Englisch wird die Arbeitssprache. Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest.“ (November 2005)
Und auch in Geschichte kennt er sich aus: „In einer Wohlstandsgesellschaft gibt es weniger Dynamik als in den Aufbaujahren nach dem Krieg. Wir sind in der unglaublich schönen Lage, nur von Freunden umgeben zu sein. Das Blöde ist, es kommt kein Krieg mehr. Früher, bei der Rente oder der Staatsverschuldung haben Kriege Veränderungen gebracht. Heute, ohne Notsituation, muss man das aus eigener Kraft schaffen.“ (Januar 2007)
Wir werden ihn vermissen, unseren Günther. Mach’s gut, und vielleicht kannst Du ja den Wolfgang mitnehmen?

Guten Tag Deutschland, hallo Bürger von kessel.tv. Der ein oder andere wird es vielleicht mitbekommen haben: Gestern wurde gewählt. Vielleicht bin ich zum Herbstbeginn ja besonders sensibel, mich hat das Ergebnis auf jeden Fall einigermassen umgehauen. Dass die Sozis abkacken, war klar.
Nur die Älteren werden sich vielleicht noch erinnern: Die Sozialdemokratie war früher eine anerkannte Politikrichtung, heute gehen SPD-Wähler nicht mehr zur Wahl, weil sie beleidigt sind. In einigen Jahren wird die SPD eine Splitterpartei sein, die an der 5-Prozent-Hürde scheitert.
Dass Merkelchen nur noch so halb abräumt, war auch irgendwie klar. Hat ja die letzten Monate gar nichts mehr gemacht, die Gute, damit sie auch ja nichts mehr falsch machen konnte. Und alle so yeah.
Was mich aber wirklich erschreckt, ist das Ergebnis der FDP. Jeder Fünfte hat in Baden-Württemberg die Gelben gewählt. Das bedeutet, dass auch Kollegen, ja vielleicht sogar Freunde von mir für Guido gestimmt haben müssen. Liebe Porsche-Fahrer und Zahnärzte unter den kessel.tv-Lesern, könnt Ihr mir bitte erklären, wieso man so was macht?
Super-Guido wird uns also künftig im Ausland repräsentieren, which is quite peinlich, because Super-Guido spricht so viel ich weiß ziemliches Grotten-Englisch – und ist halt Super-Guido, der Pate No. 1 unter den deutschen Politikern, der Sascha Lobo der Neoliberalität, auf jeden Fall aber der schönste und kompetenteste Politiker der Welt. Mindestens.
Kessel.tvs Lieblingspolitiker, das Cemle, hat es in Stuttgart derweil nicht gepackt, stattdessen haben zwei andere Stuttgarter für Stuttgart, die CDU-Nobodys Kaufmann und Maag abgeräumt. Schön übrigens, wo die Parteien in Stuttgart den Sonntagabend begangen haben: Die Grünen feierten im Schlesinger, die FDP im Restaurant Kachelofen, die SPD heulte im Café Schlossblick, die Linke jubilierte im Merlin und die CDU zwitscherte Trollinger standesgemäß im Ratskeller.
Ziemlich witzig zeigt sich am Tag eins nach der Wahl übrigens mein Lieblings-Bastel Shop Conrad Electronic: Die machen mit Ex-Vizekanzler Steinmeier auf der Startseite von Spiegele Online Werbung. Frank-Walter spielt mit einem ferngesteuerten Flugzeug und freut sich wie Bolle. Der passende Slogan dazu: „Juhu – endlich Freizeit“.

Einige werden es vielleicht schon mitbekommen haben, bald ist ja Bundestagswahl, da müssen die Politiker ein bisschen Werbung für sich machen. Das machen die Genossen und Genossinnen aber auch alle sonstigen Parteifreunde und Parteifreundinnen am liebsten ganz Oldschool mit Plakaten am Straßenrand. Manche Menschen stört das, sie verschönern die Plakate dann ein wenig.
Ein ganz besonders Fleißiger hat es derzeit im Stuttgarter Süden auf Cem „Elternzeit“ Özdemir abgesehen, der Vorzeige Multi-Kulti-Politiker hat einen sensationellen Lippenstift abbekommen. Steht ihm gut.

Ein nicht enden wollender Quell der Verschönerungs-Inspiritaion ist auch 2009 das Hitlerbärtchen, das sich sogar beidgeschlechtlich einsetzen lässt. Einmal zu bewundern bei Ute Vogt, neuerdings und extra für die Wahl wohnhaft in S-Botnang.

Und natürlich bei meinem Lieblings-CDUler Stefan Kaufmann, der gefühlt seit ca. zwei Jahren im Walkampf ist und als erster in der Stadt plakatierte.

Manche Plakate muss man aber gar nicht erst verschönern, weil sie auch so schon ein Hingucker sind.

Dieser Münchner Sozi schont die Augen seiner Wähler. Mein Favorit kommt aber aus der Metropole Recklinghausen:

Der Reini war früher Rathaus-Pförtner und hat sich am Empfang der politischen Schaltzentrale wohl gedacht, was die Flachpfeifen können, kann ich schon lange. Herausgekommen ist ein wunderschönes Typo-Festival mit viel Liebe und vor allem Wortwitz. Schade, dass Reini nicht auch in Stutti antritt.
Ich ergänze mal noch ein schönes Beispiel, gefunden bei nerdcore: (Thorsten)












