Donnerstag, 2. September 2010 // 14:30 Uhr //
Thorsten W.
Mein Indie-Freund Tilli (ich glaube er mag es so genannt zu werden), seit kurzem mein Büro-Sitznachbar, hat gestern zu mir gemeint, er wurde bisher in dieser Serie noch nicht überrascht. Was wahrscheinlich daran liegt, dass bisher fast ausschließlich Klassiker der Musikvideokunst dran waren – aber da muss auch einiges abgearbeitet werden.
Vom heutigen Video wäre er wahrscheinlich zumindest ein bisschen überrascht, wenn ich ihm nicht schon davon erzählt hätte: Die Ärzte. Hmja, von der in meiner Generation obligatorischen Ärzte- und Hosen-Kassetten- und Lagerfeuer-Prägung abgesehen bin ich jetzt kein Mega-Fan.
Aber es ist natürlich eine gute Band, die inzwischen immer mal wieder einen Song macht, der mich überrascht und mir gefällt. So wie vor einigen Jahren “Rock’n'Roll Übermensch”, dessen Video ein besonders gelungenes Beispiel für ein Trash-Video ist. In Kombination mit dem Lied sogar fantastisch.
Wer die Idee zu dem Video hatte oder Regie geführt hat habe ich auf die Schnelle nicht rausgefunden, aber von dem Lied gibt es einige, zum Teil recht witzige Remixe u.a. von Lexy & K-Paul, Blank & Jones und Circuit Breaker.
Donnerstag, 26. August 2010 // 13:28 Uhr //
Thorsten W.
Erst in der letzten Woche habe ich erklärt, dass ich perfekt zum Lied passende Musikvideos besonders mag und mir deshalb “Around the world” von Daft Punk überaus gut gefällt. Und prompt bekomme ich unabhängig voneinander von drei verschiedenen Seiten einen Hinweis auf “Star Guitar” von den Chemical Brothers.
Natürlich kein Zufall, dass auch hier – wie bei Daft Punk – Michel Gondry Regie geführt hat. Und weil der Song von den Chemical Brothers naturgemäß um einiges komplexer ist und aus viel mehr Spuren besteht als der von Daft Punk, hat Gondry das Prinzip von “Around the world” auf die Spitze getrieben.
Eine weitere Erklärung ist glaube ich nicht nötig, die Genialität des Videos – das ich tatsächlich nicht kannte oder irgendwie überhaupt nicht auf dem Schirm hatte – erschließt sich erst nach einiger Zeit bzw. bei genauem Hinsehen. Der Track zählt für mich zwar zu den schwächeren von den Chemical Brothers, geht aber trotzdem völlig okay.
Donnerstag, 19. August 2010 // 9:00 Uhr //
Thorsten W.
Ich merke gerade, ich klappere seit Anfang der Serie wirklich überwiegend die Klassiker der 90er Jahre ab. Aber das war einfach die Blütezeit der Musikvideos – besser Ideen und technische Möglichkeiten als in den 80ern und mehr Geld in der Musikindustrie als in den 2000ern.
Daft Punk haben 1997 mit ihrem ersten Studioalbum “Homework” nicht nur musikalisch eine Bombe gezündet, auch mit den Musikvideos wurde den immer teurer und spektakulärer gewordenen Videos der 90er etwas entgegengesetzt – vor allem mit dem absurd dokumentarischen Stil von “Da Funk“.
Ausgesucht für die Serie habe ich allerdings “Around The World”, und zwar aus einem bestimmten Grund: Ich liebe es, wenn Musikvideos exakt zur Musik passen. Also nicht nur inhaltlich oder thematisch oder von der Stimmung, sondern auf den Beat, im Takt und im Rhythmus.
Und “Around The World” ist hier natürlich die perfekte Umsetzung – indem die verschiedenen Instrumente des Tracks faszinierend einfach und umwerfend in die Realität umgesetzt und gezeigt werden. Verantwortlich für das Video ist Michel Gondry, einer der Großmeister der Musikvideokunst.
Yeah, das erste Deutsche Video in dieser Serie. Auch die Fantas haben schon immer (okay, nach “Die Da”) Wert auf gute Musikvideos gelegt, nicht selten war dabei der Stuttgarter Homie Zoran Bihac am Start.
Als sie aber 1999 nach der erfolgreichen Auskoppelung “MfG” aus dem Album 4:99 gleichzeitig drei Singles veröffentlichten, arbeiteten sie mit dem (ebenfalls aus Stuttgart stammenden) Ralf Schmerberg zusammen, überfielen paar TV-Shows und drehten drei ziemlich gute Videos.
Am besten finde ich “Michi Beck in Hell” – war damals sicher ein großer Produktions- und Koordinationsaufwand, überzeugt technisch voll und ganz, protzt mit gleich hoher A-Promi- und Stuttgart-Promidichte und das Lied geht eigentlich auch ganz okay.
Am besten fand ich aber immer die Sequenzen mit der leicht bekleideten Dame – ich kann mir gut vorstellen, wie viel Spaß Herr Beck beim Dreh hatte.
Dienstag, 3. August 2010 // 9:00 Uhr //
Thorsten W.
Noch so ein Kandidat aus den 90ern, der immer mit guten Videos am Start war: Fatboy Slim. Und auch hier hab ich mich nicht für das vielleicht typischste Video, “Praise You“, entschieden, sondern für “Weapon of Choice”. Ist bestimmt auch nicht der beste Song von Norman Cook und bestimmt nicht sein größter Hit, aber meiner Meinung nach das beste Video.
Warum? Wegen Chrisopher Walken natürlich. Einer der besten und charismatischsten Schauspieler von Welt. Spielte sowohl in Blockbustern als auch in Independent-Filmen mit, und ich mag ihn am liebsten in Charakterrollen, so wie z.B. die recht tragische Figur in “Catch me if you can”.
Dass Mr. Walken auch ausgebildeter Tänzer ist, haben wie ich die meisten wohl erst mit diesem Musikvideo mitbekommen. Wie er zunächst lethargisch da sitzt und dann plötzlich die Meister-Performance hinlegt – fantastisch!
Das Video hat übrigens Spike Jonez gedreht, ein weiterer Dauerkandidat in dieser Serie. Zu Norman Cook muss man ja nicht viel sagen – ich habe eher unbewusst all seine musikalischen Stationen von Housemartins über Beats International, Pizzaman, Mighty Dub Katz, Freak Power und schließlich Fatboy Slim mitgemacht und fand das alles meistens ziemlich gut. Nur mit seinem letzten und erfolgreichsten Projekt hätte er irgendwie besser aufhören sollen, als es noch Spaß gemacht hat.
Sonntag, 25. Juli 2010 // 12:00 Uhr //
Thorsten W.
Ein weiterer wahrer Klassiker der Musikvideogeschichte. The Pharcyde: Eine super Rap-Kombo, die mit “Bizarre Ride II The Pharcyde” und “Labcabincalifornia” zwei grandiose und vielleicht wegweisende Alben veröffentlicht hat. Am bekanntesten sind wohl die Songs “Runnin” und “Passin me by”.
Dazu eine kleine Anekdote aus meiner Four Music-Zeit: Irgendwann kamen die Fantas auf die Idee, eine ihrer Lieblingsbands, The Pharcyde, für Deutschland bei Four Music zu signen. Hat dann auch nach längerem Hin und Her geklappt, es gab ein Konzert in der Röhre, ein Album, eine Single mit Video von Zoran Bihac, beides leider nicht sonderlich erfolgreich.
Als Trostpflaster diente allerdings eine unter dem Label “Four Gold” veröffentlichte Vinyl-Maxi mit “Runnin” auf der einen und “Passin me by” auf der anderen Seite. Die Rechte daran gab’s wohl im Package, und die Maxis verkauften sich überaus gut.
Auf jeden Fall gab es vor der Produktion eines Vinyls immer eine Dubplate, um zu überprüfen, ob alles passt. Bei der Pharcyde-Maxi durfte ich das machen, und pflichtbewusst lief ich zu Michi Beck: “Du Michi, bei ‘Passin me by’, da ist so ein komisches Knacken am Anfang!”
Ja, meinte, er das stimmt – das wäre das Vinyl-Knistern des Original-Samples (“Summer in the city” von Quincy Jones), und das gehört so. Gut, hatte ich auch was gelernt, und peinlich war es nur ein bisschen.
Das beste Video von The Pharcyde, nämlich obiges, ist zwar nicht unbedingt deren bester Song, aber als Gesamtwerk große Kunst.
Sorry, letzte Woche gab es kein Video – warum? Keine Ahnung, einfach vergessen.
Dafür jetzt wieder ein echtes Highlight. The Roots, haja, super Truppe, finde ich seit “Things Fall Apart” von 1999 grandios, hab glaub ich jedes Album und aus diesem Anlass das neue, “How I Got Over”, gleich mal gekauft – aber noch nicht angehört. Vielleicht schreibt ja unser HipHopHead Mischa was drüber.
Bei den Videos geben sich die Jungs auch immer Mühe, und abgesehen davon, dass sie immer ziemlich cool dabei aussehen, ist meist ein kleiner Witz dabei. “The Next Movement” ist mir als erstes eingefallen, das Video hab ich vor einiger Zeit sogar mal bei iTunes gekauft.
Mittwoch, 30. Juni 2010 // 14:00 Uhr //
Thorsten W.
Ja, natürlich musste das Video kommen. Ich hab mich ja bissle geziert, weil es wirklich einen Mega-Hype um das Ding gab. Aber man muss sagen: Völlig zu recht. Das Video ist so gut, dass es sogar egal ist, dass die Musik meiner Meinung nach nur halb gut ist und schon gar nicht zum Video passt.
Allein wenn ich mir überlege, wie verdammt lange die Kollegen wirklich geübt haben müssen, um die Choreo so hinzukriegen – OMG!!!EinsElf111
Warum ich aber gerade heute das Video bringe ist hier zu sehen – ich glaube die Jungs sind wirklich verdammt cool, und ab 0:46 bin ich lachend auf dem Boden gelegen (gefunden – wieder einmal – bei Nerdcore):
Heute vor einem Jahr ist Michael Jackson von uns gegangen, und ich möchte an dieser Stelle gern noch mal auf den sehr coolen und emotionalen Artikel von Martin hinweisen, der vor einem Jahr spontan entstanden ist.
Gestern habe ich “This Is It” auf Pro7 angeguckt, die Dokumentation zu den Proben für Jackos nicht mehr stattgefundene Konzerte – und ich war doch überrascht, wie körperlich fit, einigermaßen bei Stimme und vor allem bei Verstand er war und wie sehr er die ganze Mega-Produktion zumindest musikalisch in der Hand hatte.
Er war ein Großer, keine Frage, und ich möchte die 52 Videos-Reihe für ein kleines Tribute nutzen. Ich hab meine vier Lieblings-Videos von ihm ausgesucht (+1 vom Ram), auch wenn die Wahl nicht ganz leicht fiel:
Ich bin damals mit dem “Bad”-Album bei Michael Jackson eingestiegen, und an das Video erinnere ich mich noch genau, muss bei Formel 1 gewesen sein. Hammer Musik, Hammer Moves, Hammer Video.
Klar, “Thriller” darf nicht fehlen. Allgemein anerkanntes Meisterwerk.
Nicht zu vergessen der frühe Solo-Jacko. Vielleicht kein allzu abenteuerliches Video, hat aber trotzdem was, fetter Overall, tighte Lichteffekte. Mehr Disco geht nicht. RAM tanzt da immer gleich mit.
In den 90ern mochte ich Michael Jackson nicht mehr. Das war mir alles zu viel. Zu viel Weltrettung, zu viel Freak, zu bleich. Aber “Stranger in Moscow” fand ich super, vor allem in Kombination mit dem Video. Ganz große Popmusik!
Zusammen mit seiner Schwester hat er’s dann noch mal rausgerissen. Das bis dahin (und bis heute?) teuerste Musikvideo überhaupt und ein guter Song. Und verdammt, wie gern wollte ich so nen Stachelpulli haben. Konnte ich mir damals aber nicht leisten.
So, und als Abschluss noch eine kleine bzw. große Umfrage:
Donnerstag, 17. Juni 2010 // 9:00 Uhr //
Thorsten W.
Oh Mann, wieder so eine Band, bei der es schwerfällt, sich ein Video rauszusuchen. Mein Lieblingsvideo von Massive Attack, “Unfinished Sympathy”, hatten wir ja schon an der ein oder anderen Stelle, und für jemanden, der es nicht von damals kennt, ist es wahrscheinlich ziemlich unspektakulär.
Als erstes anderes Video ist mir dann “Teardrop” eingefallen – das hat damals glaube ich auch bissle für Aufsehen gesorgt. Zum einen natürlich wegen der bestechenden Idee, zum anderen polarisiert es auch auf eine Art – ich denke manche werden es eklig finden. Ich finde das Video wunderschön und zusammen mit der Musik irgendwie sehr mediativ.
Erschienen ist der Song vom Album “Mezzanin” 1998, die schöne Stimme gehört Elizabeth Frasier von den Cocteau Twins, der Regisseur heißt Walter Stern. Und der ist u.a. für einige der besten Videos von Prodigy und außerdem für “Bitter Sweet Symphony” von The Verve (ja ja, kommt ja noch) verantwortlich.