German Masters 2017: Knapp über der Schweifrübe

Deutschlands größter Pferdeblog ist zurück. Im gestreckten Galopp. Und damit Ihr gleich mal in Stimmung kommt, hier die schönsten Tattoo-Motive gratis. Die kann man sich entweder auf den Unterarm stechen oder dem Pferd knapp über die Schweifrübe einbrennen lassen. Bei Nummer drei flossen die Tränen wie sonst nur der Jägermeister in der ktv-Redaktion:

  • Pferde haben vier Beine, damit sie ihr großes Herz tragen können
  • Dein Hufschlag ist mein Herzschlag
  • Pferde sind die, die immer unsere Tränen aufwischen, wenn wir weinen

Viel Huf- und Herzschlag gab es jedenfalls dieses Jahr wieder bei den German Masters in der Schleyerhalle. Wenn ich richtig gerechnet habe, war das unser 4. Besuch dort – auf jeden Fall aber unser intimster.

Weil ich mich dieses Mal getraut habe, zu fragen, wo man denn mit dem Presseausweis eigentlich überall hin dürfe – und die sehr freundliche und – wenn man kessel.tv kennt – etwas leichtsinnige Antwort bekommen hab: Überall. Außer in den Parcours. Da nur zur Siegerehrung.

Nun ist es ja bekanntermaßen so: wenn man uns Blogger-Seggeln sagt, dass etwas verboten ist, dann gehen wir genau da hin. Wenn uns aber jemand freizügig einlädt, setzt ein ganz komischer Reflex ein: Schiss. Ich hab mich jedenfalls mit meinem Telefonapparat, der auch Bilder knipst nicht in die Manege zu den Jungs mit den dicken Wummen getraut.

Denn die Profipressefotografen haben schon komisch genug geguckt, als ich mit dem iPhone an der Bande stand.  Andererseits habe ich genau dort die wahrscheinlich schönsten Dialoge des Abends geführt. Er: Fotograf, früher Bild Stuttgart, heute Schwarzwälder Bote. Er sagt Schwabo, ich sag kessel.tv. Er: “Echt? Uns haben sie Bewegtbildmaterial untersagt.”

Am liebsten hätte ich zu ihm gesagt: “Wenn du ins Paradies kommst, findest du ein geflügeltes Pferd, mit dem du dorthin fliegen wirst, wo du willst.” Fiel mir aber spontan nicht ein. Also hab ich gesagt: “Ich muss mal weiter. Gucken, was es Neues auf dem Pferdemarkt gibt.”

Denn – das wissen wir von unseren letzten Besuchen – das mitunter Beste am German Masters ist die Expo. Ein kleines Shopping-Paradies. Eine Art Fluxus des Reitsports. Mit Ausstellern von SW-Pferdehaarschmuck aus Schwäbisch Gmünd bis zum Gürtelprinz aus Magdeburg.

Auf dem Weg dorthin erstmal große Verwirrung: was soll man von Pferdesportlern halten, die ihre eigenen Hindernisse mitbringen? Naja, solange das Regelwerk der German Masters das erlaubt – von mir aus…

Angebot der Woche: Glitterhufglocken. Ich bin allerdings nicht ganz sicher, ob die 15,95 der Stück- oder der Setpreis waren. Denn mal im Ernst: was will man denn mit zwei Hufglocken? Vorne Glamour, hinten Street? Man muss dem Reitsport aber zu Gute halten, dass es wahrscheinlich der letzte verbleibende Bereich ist, in dem das Einhorn noch nicht Einzug gehalten hat. Vielleicht auch, weil das Einhorn der natürliche Feind des Ponys ist?

Die ganz großen Innovationen blieben dieses Jahr aus. Vielleicht fehlt dem Reitsport das Zugpferd? Der große digitale Umbruch? The next big thing. Abgesehen von Infrarot-Textilien und dem Sponge-Set ‘Imperial Riding’. Da allerdings ist man mit Melone kurz vor Flamingo und damit ja auch nicht weit von Einhorn.

Und es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis es goldene aufblasbare Pferde für den Pool gibt, auf denen sich die junge Pferdefreundin lasziv-sexy instagrammen kann.

Outfit of the day (#OOTD) – und vielleicht auch ein bisschen Symboldbild eines ganzen Lebensgefühls: manche geben das letzte Hemd und das letzte Paar Stiefel, nur um einmal im Sattel zu sitzen. Dann wiederum sieht man unter den Besuchern viele Frauen in Reiterstiefeln, die gar kein Pferd dabei haben. Ist das nicht ein bisschen, als würde man beim Heimspiel gegen Hertha BSC in Schraubstollen in der Untertürkheimer Kurve sitzen?

Auch im Partybereich war die Stimmung ein wenig verhalten. Abgesehen von einem relativ betrunkenen Aussteller aus Bayern, der mit zwei XXL Dosen Hofbräu in der Hand das machte, was man auch auf anderen Fachmessen so macht: versuchen, die Frau vom Messestand gegenüber zu bumsen. Aber die Dame wollte lieber zum Spektakel in der Halle. Und ich kann nur für beide hoffen, dass er ihre Worte “Jetzt geht’s zum Stechen” – nicht fehlinterpretiert hat.

Nächstes Jahr brauchen wir, glaube, ich eine kleine Steigerung. Vielleicht ein Event, bei jemand mit seinem Pferd über einen großen Fisch springt und wir mit dem iPhone daneben stehen und “Bewegtbild-Content generieren”? Am besten der Reitszenen-Posterboy Michi Jung.

Im Nebenberuf Freejump Ambassador, so wie die junge Dame in ihrem Insta-Profil neulich: Travel •  Lifestyle • Hunkemöller Ambassador. Wenn ich groß bin, möchte ich dann bitte Hufglocken Ambassador werden.

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