10 Jahre Transit/Bergamo

Mobbed & Moi. Bergamo, wo das Moped am Besten schmeckt. Ok cool. Jetzt bitte mal alle aufstehen, das Moped-Glas erheben und dreifaches zicke zacke zicke zacke hoi hoi hoi rausjodeln:

Das Bergamo/Transit, auch bekannt als das Transit/Bergamo, diese paar Quadratmeter spartanisch zusammengezimmerte Magie in Beige, feiert am kommenden Wochenende drei Tage lang 10-jähriges Jubiläum und wir gratulieren ganz herzlich. Der VfB und alle richtigen schwäbischen Weltmarktführer von GEZE über Kärcher und Trumpf bis hin zu Stihl schicken ebenso warme Grüße an den Hans im Glück-Brunnen, bevor es am Wochenende zum Lebersägenmassaker kommt.

Und jetzt noch der offizielle Happy Birthday Song zum Mitsingen und Nachbasteln, präsentiert von den Sponsorpartnern Schwarzer Sambuca, Kachelofen und Ducati:

Wow, ich muss gleich weinen.

Zuvor habe ich mich gefragt, was 2007 so los war in der Stadt. Das Colibri stand kurz vor dem Closing. Das Rocker33 in der Bahndirektion kam immer besser in Schwung, nachdem die Anfangszeit in der Bahndirektion etwas schwer war. (Immer noch) neu waren 1210, Keller Klub, die (alte) Schräglage (beim Breuninger), Tonstudio und Waranga. Es gab die 120 Minuten Partys und die Liebreiz Partys.

Die Theo war ein Jahr nach der WM 2006 sowohl immer noch auf Peaktime als auch zunehmend verhasst. Lustig aus heutiger Sicht, wenn man an diese unzähligen Diskussionen denkt, ob das alles geil war/ist oder total schlimm. Und sowieso: Schinkenstraße z.B. sagt ja längst keiner mehr. Eher wünscht man sich heutzutage noch eine Scheibe Speck extra auf den Whopper.

Und dann die Zone Hans im Glück-Brunnen, die 2007 gerade erschlossen bzw. neu entdeckt wurde. Die Corso Bar war frisch geföhnt wie Felices Locken (wobei, Felices Locken waren glaub frischer als der ehemalige Stripclub) und Pflichttermin spätestens ab 3 Uhr nachts.

Yusuf hatte gerade erst einen unfassbar teuren Kronleuchter in einer ehemaligen Cocktailbar (hieß glaub sogar Hans im Glück) direkt am Brunnen aufgehängt und es Mrs. Jones getauft. Das Kottan hieß noch Zotti. Dort feiert man nächstes Jahr 10-jähriges. Im Mata Hari ging schon was. Das Deli war eh immer schon da.

Im Frühherbst 2007 rief mich Steff Deininger an, ich arbeitete damals beim A6-Magazin Sub Culture. Er würde mit Janusch Munkwitz und Konrad Krammer (der Anfang letzten Jahres leider viel zu früh verstorben ist) einen Laden aufmachen, am Hans im Glück-Brunnen, unter der Corso Bar, in der ehemaligen Pizzeria Max & Moritz.

Der Laden soll Bergamo UND Transit heißen, auf der einen Seite so, auf der anderen so. Der Doppel-Name kam dem Trio in den Sinn, als es sich auf dem Transit nach Bergamo befand, überlieferte zumindest Steff den Gründungsmythos.

Ich dachte mir damals, das mit den zwei Namen ist doch ein bisschen Quatsch. Nur weil ein Laden zwei Türen hat, muss er doch nicht gleich zwei Namen haben, ist doch voll kompliziert.

Und so hat es sich eingependelt, dass die einen Transit sagen und die anderen Bergamo. Hält sich, glaub, schon immer in der Waage. Ich selbst sage eher Transit. Obwohl es in Bergamo ganz schön sein soll. Und das Bergamo hatte sogar schon Besuch aus Bergamo: 

Der Bergamo-Fanschal hängt freilich an der Wand. Wie so manch andere Utensilien, die sich den letzten Jahren 10 Jahren angesammelt haben, z.B. die berühmten Kritzel-Bilder von den DJs oder das hier (gnhihi):

Wenn der Laden irgendwann aus irgendwelchen Gründen schließen sollte, müsste man das Bergamo eigentlich am Stück rüber in die Staatsgalerie tragen und für die Nachwelt aufstellen. Oder noch besser: Direkt Unesco Weltkulturerbe-Status beantragen. Who is Weissenhof-Siedlung?

Gut, zurück auf den gefliesten Boden der Tatsachen (diese Fliesen!). Die Transit-Situation ist auch nach 10 Jahren immer noch einzigartig stark. Als DJ stehst du hautnah zwischen dem Publikum, dass sich meistens im Laufe des Abends hautnah reibt, weil es halt doch oft eng zu geht.

Die Leute stapeln sich auf den Stufen und es entwickelt sich dieses typische Miniatur-Amphitheater-Feeling, dieser Hexenkessel aus A-Block und Karneval, nicht der in Rio, sondern der Schwäbische-Internationale. Im Transit trifft sich seit jeher die Welt.

Beim Auflegen hörst du mitunter schlecht, weil die Anlage ihre aufgezwungenen Grenzen hat, sowie kein Monitoring vorhanden ist. Du machst einfach weiter, geht ja nicht anders und fragst dich irgendwann, meistens zumindest, was ist das hier schon wieder?

Alles schreit dich an, alles will was von dir, sei es ein Wunsch, ein Schnaps, ein Bussi, die Jacke annehmen, die Jacke wieder rausgeben, ein bisschen Liebe oder noch einen Song, wenn um Punkt 4 das Licht angeht.

Einer geht vielleicht noch, wenn der Abend gut war, da haben die Türsteher noch ein „Quantum Trost“ mit den Gästen. Dann aber wirklich alle raus. Heiko verabschiedet euch in seiner längst legendären Manier. Während Benny schon den Besen in der Hand hat.

Diese Menschen, die da arbeiten. Eine der Stuttgarter Blaupausen schlechthin der geflügelten Gastro-Weisheit „jeder Laden braucht ein Gesicht“. In dem Fall sind es Gesichter. Viele. Schon mehrere Generationen an Gesichtern. Die neuen waren den alten immer würdig. Musste auch erst einmal hinkriegen.

Ich weiß nicht mehr, seit wann Locke, Benny und Heiko die „Transit Madness“ an der Bar steuerten. Sie waren auf einmal da und sind es schon sehr, sehr lange. Locke ist zwischenzeitlich zusammen mit Riedmüllers-Sebbo der Boss, im Januar diesen Jahres wurde die Übergabe gefeiert. 

Meinen Reggae-Anteil im Set habe ich deswegen trotzdem nicht erhöht. Meine Haare wachsen gerade. Werden aber leider keine so schönen Locken. Außerdem: Früher war mehr Unterhemd im Transit. Bei allen.

Benny und Heiko sind über all die Jahre der Transit-Fels, die Erdung in Fleisch und Blut. Bei Ankunft zuerst gute Gespräche, immer. Sei es über Stuttgart, Gossip, Techno, Lebensstile und gleich die ganze Welt da draußen, oft dieselbe Meinung, dieselben Ansichten, klare Standpunkte. Normale Leute.

Bevor man die Normalität vergisst und ein paar Stunden lang den Max und den Horscht spielt. Das Transit ist nicht nur ein Ort, sondern ein Bewusstsein. Eine Brücke, auf der alles passieren darf, bevor man wieder auf einer Seite landet, gerne ein bisschen zu hart am nächsten Tag. Nicht selten passiert in den 10 Jahren.

10 musste erst mal werden in der Gastro. Und noch größere Leistung: 10 Jahre lang gut bleiben. 10 Jahre lang hat sich nichts geändert – und doch immer alles. Wäre auch schlimm, wenn nicht und wenn im Bergamo/Transit nur so alte Leute wie ich rumhängen würden.

Dem ist Gott sei Dank nicht so, weil ohne junge Leute, ohne den frischen Nachschub, frische Volljährige, neu Zugezogene und allen anderen, die das Transit neu entdecken, kannste keinen Laden ewig schmeißen und am Leben erhalten.

Gäste kommen und gehen. In 10 Jahren verändert sich bei vielen Menschen viel. Seien es große Dinge wie heiraten, Kinder kriegen und meinetwegen ein Haus bauen.

Oder sich nur, warum auch immer, „zu alt für diesen Scheiß fühlen“ (ein dermaßen abgelutschter Satz für den jeder, der ihn sagt, mindestens 20 Euro ins Phrasenschwein werfen muss und nicht nur fünf). Sprich, lieber früh aufstehen, Kaffee selbst brühen, dann ins Crossfit und Selfietime. Oder irgend so ein anderer Qualitytime-Quatsch.

Ich kann’s sogar längst verstehen. Aber aufm Transit nach Bergamo ist halt meistens auch beste Qualitytime geboten. Nur anders. Und mit Aufguss.

Dank an Janusch, Steff, Konrad, Locke, Benny, Heiko, Andi, Reimi, Roman, Eki, Alex und allen Barleuten in den letzten 10 Jahren für circa 100 fantastische (heute: LIT) Abende und die liebevolle Bewirtung. Happy Birthday Transit/Bergamo und ihr wisst ja: Es gibt zwei Notausgänge. Einen zu ihrer rechten Seite und einen zur ihrer linken.

10 Jahre Transit / Bergamo – von Do 19.10 bis Sa. 21.10, jeweils ab 22 Uhr
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