Westside for life – Kolumne für Westallee-Programmheft

Westallee war Haare nice, Socken fly und im Westen sind alle schön wie am Flughafen, Dexter-Voice.  Drei Tage lang #fälltmirnurgeilein #undmanmussauchmalwasgutfinden. Oder: „Das tut dem Platz hier schon gut“, so ein Bekannter, der am Lerchenplatz wohnt. „Ich bin glücklicher Bezieher von Getränke-Bons.“ Man muss die Nachbarschaft nur rechzeitig mit einbeziehen, dann schreibt auch keiner einen Zettel.

Konsti und Leif haben am Donnerstag ein schönes Set hingelegt, man tanzte auf der Johannesstraße und vor allem in einer frei geräumten Parkbucht, feiner Auftakt und gute Idee, die Westallee schon donnerstag in einem „etwas kleineren Rahmen“ zu starten.

Die nächsten zwei Tage gingen grad so weiter, dieselben Bilder wie letztes Jahr, Lerchenplatz und die andockenden Straßen voll, ein Mehrgenerationen-Fest von jung bis alt und für die ganze Familie. Viel Kinderwagen, Tragetuch, rumhüpfende Kinder und die Muttis eröffneten den Dancefloor. Freitag habe ich mir Thorsten angehört und den Electro-Pop-Sound von The/Das oder Das/The und wollte danach auch ein Schulterpolster haben.

In der Galerie ein paar Symbolbilder, senden Props an die Macher, freuen uns aufs nächste Jahr und jetzt noch meine Claudi-Rap-Kolumne für das diesjährige Westallee Programmheft.

Neulich bei der Beichte, Ort Johanneskirche, besser bekannt als Feuerseekirche, eines der beliebtesten Stuttgarter Insta-Motive überhaupt. Ich folge dem Ruf der Gottheit Westside, der hier wohnen soll. Ich möchte nämlich ein Geständnis ablegen, mich drückt der Schuh und für dieses Modell musste ich nicht einmal campen. Yeezy don’t like this wie Rin.

Ich: Hallo, ist da jemand? Herr Westside?

Stimme: Ja, aber ich bin kein Herr, sondern ein Zwitter. Halb Metzger Schneider, halb Café Stöckle.

Ich: Wie soll ich Sie dann anreden, verehrte Gottheit Westside?

Stimme: Elfriede bitte. Warum suchst die Gottheit Westside Elfriede auf?

Ich: Mein Gewissen plagt mich. Ich lebe seit zwei Jahrzehnten in Stuttgart-West, aber ich habe manchmal das Gefühl, ich lebe den Stadtteil nicht wirklich.

Elfriede: Wie meinst du das? Postest du zu wenig Bilder von der Feuerseekirche? Das geht mir auch auf den Sack. Diese langweiligen Instagramer können sich mal etwas anderes einfallen lassen.

Ich: Äh, nee, das mach ich eigentlich ganz gerne. Ich meine eher, ich nehme z.B. so gut wie nie die zahlreichen Angebote des Westens wahr.

Elfriede: Du kaufst 500 Gramm Hack lieber beim Ghetto Netto Stadtmitte als bei beim Metzger Schneider in der Gutenbergstraße?

Ich: Oh Gott nein, verehrte Elfriede, das würde ich nie tun. Ich meine damit, ich bin z.B. so gut wie nie in einem dieser vielen angesagten Läden, wie z.B. Lumen, Metzgerei, Seyffer’s, Kiosko, Piloni, Mókuska, Sutsche, Hölderlin, Tarte & Törtchen und wie die alle heißen. Ich bin mehr Stadtmitte unterwegs.

Elfriede: Was bist du denn du für ein räudiger untreuer Wicht?

Ich: Ja ich weiß, verehrte Westside, dabei liebe ich den Westen so sehr. Auf meinem Grabstein soll einmal stehen: Westside for life.

Elfriede: Das schreiben sogar die aus Ost drauf, was nur verständlich ist. Ich mein, Eastside for life, merkste selbst, oder? Hahahaha!

Ich: Sie sind ja voll fies! Aber dafür ich kenne fast alle Straßen des Westens, wie meine, ähm, Westentasche und fühle mich Zuhause.

Elfriede: Du meinst dein weinerliches Verrätertäschchen. Wegen so Leuten wir dir müssen Läden wie das Zadu und das Rat Rat schließen!

Ich: Also Elfriede bitte, ich wohne neben dem Zadu, das war durch. Man muss mit der Zeit gehen. Und das Rat Rat, also ehrlich, so Läden gibt’s in Ditzingen und Winnenden genügend!

Elfriede: Du bist trotzdem ein sehr, sehr ungläubiger Westler. Am liebsten würde ich dich mit einem dieser stinklangweiligen Stuttgart-Bücher verprügeln, du weißt schon, in denen zum 1000. Mal über Vincent Klink, Eric Gaulthier, Äffle & Pferdle, Christoph Sonntag oder Fanta4 geschrieben wird. Und natürlich, dass dieser verfickte Fernsehturm der erste seiner Art ist und beschissene 217 Meter hoch. Wer braucht diesen altbackenen Quatsch noch!

Ich: Oh nein, Elfriede bitte nicht, ich schwimme freiwillig einmal durch den Feuersee und nehme eine Schildkrötenfamilie bei mir Zuhause auf! Und ich schreibe ein Stuttgart-West-Buch!

Elfriede: Und das heißt dann „Ich wohne in West, bin aber nie da“ oder wie?

Ich: Och Elfriede, sei doch nicht so fies. Das wird heißen: „Zwischen Zamenhof, Vogelsang und Hasenberg – die schönsten Seiten des Westen und ihre Bewohner“. Mit zahlreichen Porträts von ihnen!

Elfriede: Der Titel klingt zwar stark nach Wochenblat und einem Buch, das im Wittwer wie Blei liegen bleibt, aber gut, das wäre ein erster Einsatz. Zur Westallee geht’s du aber?

Ich: Natürlich!

Elfriede: Brav. Deine Sünden seien dir vergeben, bete noch 100 Mal Westside for life und dann gehe in Frieden, aber gehe mit der Westside. Und vergiss nicht, viele West-Bilder zu posten, aber nicht von dieser scheiß Kirche hier!

Ich: Danke Danke, liebe Gottheit Westside!

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