Immer wenn es kübelt: Freundeskreis beim Konzertsommer

Achtung: Wer heute Abend das FK-Konzert besucht, sollte diesen Text vielleicht nicht lesen. Nur ein Tipp: Seid gegen 18 Uhr am Eingang. Dauert alles etwas und einige aus meinem Bekanntenkreis sind hinten hängen geblieben und durften nicht mehr weiter nach vorne. Das Konzert beginnt um 19:00 Uhr, Einlass 17:30 Uhr. Wie einige andere dachte auch ich zuerst, Einlass wäre 19 Uhr.  

Es weiß wohl zwischenzeitlich jeder, dass es am Konzertende angefangen hat zu regnen, zu kübeln, zu gießen, es hat geschüttet wie aus diesen berühmten Eimern und diese Hunde und diese Katzen flogen auch mit. Genau genommen hat es beim letzten Lied („Halt dich an deiner Liebe fest“) zu tröpfeln begonnen und als die Band sich dann endgültig verabschiedet hat (und der Sound „We Jammin“ noch etwas weiterlief), war der Himmel dran. Sauberes Timing. Gute Wetter-App, top Ebayer, gerne wieder.

Nicht wenige haben zu den letzten Takten einen ausgelassenen Regentanz aufgeführt, was ein unvergessenes Schauspiel am Ende eines besonderen Konzertabends bleiben wird, genauso wie wir dann, sorry, einer muss, pitschpatschnass unter das Vordach an der Haltestelle Neckarstadion flohen. Für mehr FK-Anna-Regen-Phrasen bitte im Duden oder auf Instagram nachschauen.

Zweitens weiß wohl zwischenzeitlich auch jeder, dass es gastronomisch, sagen wir, etwas schwierig war und man mitunter Wartezeiten von 30 bis 45 Minuten investieren musste. Big up an Bille fürs Bier holen in der Quetschkommode. Das soll heute und die Tage optimiert werden.

Weiterhin gibt es Aussagen, dass man von weiter hinten schlecht sieht und allgemein das Gelände für Konzerte eher suboptimal sei, weil zu in die Länge gezogen und nicht in die Breite. Dazu kann ich nichts sagen. Wir waren quasi in Ring 1 und 2 vor der Bühne, da war es sound- und sichtmässig gut. Und an dieser Stelle nochmals der Hinweis, falls jemand der heute geht und doch weiter gelesen hat: Seid früh da.

Und jetzt, unser Claim: Man muss auch einfach mal was gut finden. Und natürlich war es ein gutes Konzert (alles andere hätte bei dieser Kombi 20 Jahre FK plus Stuttgart auch gewundert), diese „Retrospektive“, wie Max Herre anfangs die Zeitreise durch 20 Jahre FK angekündigt hat, und es auch 20 Jahre später immer noch schön ist, diese saubere Herre-Aussprache zu hören, dieser prägnante Herre-Stil, Rrretttrospppekkktiveee.

Man brachte wie angekündigt viele Freunde mit, Joy klar (mit einem Solopart, da haben die Damen mitunter gestrahlt und Thorsten und ich sehnten uns derweil bisschen nach Cloudy), der Regenmacher Megaloh („Ich weiß“ ist einfach ein exzellenter Konzert-Bouncer), Afrob natürlich („Reimemonster“, „Get Up“) sowie freilich das Ur-Member Sekou. „Wenn der Vorhang fällt“ wurde ohne Wasi aufgeführt (Klassiker-Show früher, Wasi kommt kurz vor knapp und eigentlich zu spät auf die Bühne.).

Das musikalische Fahrgestell liefern zwei Drummer, Bassist und Gitarrist, angeführt von Frico, Philippe und dem unverwüstlichen Lilo Scrimali. Ein FK-Konzert hat ja schon früh den üblichen HipHop-Rahmen („Two Turntables and one Mic“) gesprengt, dafür ist man bekannt und berühmt. Zieht man nicht gerne auch den Roots-Vergleich?

Alles in allem ergibt das ein spielfreudiges, breitgefächertes zweieinhalbstündiges (!) Set, bei dem, so wie es FK schon immer wollte, HipHop zwar die Säule ist, aber einmal die ganze schwarze Musikwelt reingeschüttet wird. Reggae. Funk. Jazz. Man integriert kurzzeitig sauber eingebettet Old School Elemente („Push it“) und Thorsten freut sich, dass der Drummer eines der bekanntesten Funk Breaks mit trommeln kann.

In Kombination mit der Abendsonne, die das Gelände mit ihrer letzten Kraft aus Richtung West bestrahlt bevor der Wolkenhimmel seine Instagram-kompatible Farbenarbeit verrichtet (siehe eben Instagram), wird der Abend von Lied zu Lied immer besser, das Publikum ist natürlich textfest, der Freundeskreis auf der Bühne und die Freundeskreise im Publikum werden gelöster und bei jeder neuen Reggae-Nummer schreien wir natürlich: „Endlich Reggaeeee!“ Ja, für ein Reggae-Konzert war es wirklich nicht schlecht.

Spaß. Ich glaube, dass gestern trotz mancher Widrigkeiten ein paar Tausend Leute überaus glücklich nach Hause gegangen sind und nicht nur die Regentänzer. Sah zumindest so aus, wenn man in die glänzenden Augen geschaut hat. Ach ja, man muss auch nochmals was gut finden: Die Leute kamen trotz des Starkregens schnell vom Gelände runter, top geschleust, danke.

Ich sag jetzt nicht, wir sehen uns in 20 Jahren und wer heute geht und doch bis jetzt gelesen hat: Ihr werdet einen wundervollen Abend haben.

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