Dri Chinisin mit dim Metallbrett

(Ich hab’s bis zu der Szene geschafft, in der die Kinder in der Nase bohren – wer es länger aushält, kann uns ja schreiben, wie der Film ausgeht. Spoiler accepted)

Okay, es ist soweit. Ganz offiziell. Untergang, Abendland, now. Die Schallplattenfirma Universal Music veröffentlichte letzte Woche das Album Metalkinder.

Das wäre an und für sich noch nicht schlimm, wenn nicht der Name Programm wäre: Metalkinder bringt das schlimmste aus beiden Welten zusammen: Metal und Kinder. Eine Mischung, die der Rock’n’Roll uns seit seiner Erfindung ja ganz bewusst erspart hat – ganz einfach, weil beides nicht besser wird, wenn man es miteinander mischt.

Anders als bei Spezi, wo die Fanta enorm gewinnt, indem sie mit Cola eine Beziehung eingeht, während die Cola ein bisschen verliert. Es gibt ja aber daneben auch noch viele Bereiche, wo das Miteinandermischen eben keine Win-Win-Situation für beide Teile ist, sondern eher so Lose-Lose.

Wenn man Metal mit Kindern mischt, wird zum Beispiel beides nur noch schlimmer: Weder werden Kinderlieder besser, wenn man die Gitarren runterstimmt. Noch wird Metal irgendwie erträglicher, wenn man dazu „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ singt.

Beides probiert Universal aber mit seinem Album Metalkinder – und ich kann den dicken Berliner A&R Manager förmlich vor mir sehen, der sich für diesen Coup in sein falafelverschmiertes Fäustchen lacht und das Ganze richtig cool findet.

Er entscheidet früh im Entwicklungsprozess, das die Trackliste Kinder-/Metal-Klassiker umfassen soll, wie…

• Bi-Ba-Butzemann

• Der Mond ist aufgegangen

• Drei Chinesen mit dem Kontrabass

• Bruder Jakob

und das besagte Fuchs du hast die Gans gestohlen.

 

Dann geht er ins Büro nebenan und sagt der Praktikantin, sie solle in der Pressemitteilung Dinge schreiben wie

„coole Metalsongs zum Headbangen und Mitshouten“

„Die energiegeladenen Songs überzeugen mit leidenschaftlichen Kindervocals und versierten Musikern“

„Metalkinder vereinen die Qualitäten des Metalgenres mit denen guter Kindermusik: Fette Drums, laute Gitarren und rasantes Tempo treffen auf selbstbewusste und humorvoll-freche Kinder-Texte.“ 

 

Und weil er dann noch bisschen Budget hat, macht er natürlich ein Video, siehe oben.

Er bekommt dafür nicht besonders viele Kommentare, aber die wenigen, die er kriegt, die sind sich einigermaßen einig:

„Das Schlimmste was ich im bereich Kinder und Metal jeh gesehen habe. Die Bälger spielen ja nicht einmal ihre Instrumente selber. Vom Song brauchen wir garnicht erst anfangen. Einfach nur der größte Dreck.“ (sic)

 

Und gerade, als ich mir verzweifelt denke, wo ist eigentlich Sadsir Setzer, wenn man ihn braucht – schließlich ist Metal seine Kernkompetenz, sein USP und sein Mission Statement in einem – da whatsappt der aus dem Kölner Nachwuchs-Leistungszentrum: alles im Lack. Don’t worry be kiddie. Wer solche Kinder hat, der braucht keine Eltern.

Er schickt dazu ein Beweisfoto und schreibt darunter „Ich hol mir jetzt mal nen Ouzo, ne Fashion-Barbie und einen Spinner“. 

 

 

 

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