Beef mit der Pflichtbiotonne

Dicke Luft in der Küche. Und nicht weil ich beim Kochen wieder die Rauchmelder der Wohnung auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft hätte. Denn aus dem Leben eines Körnerfressers kann ich berichten: Richtig gekocht ist erst wenn der Rauchmelder losgeht und Seitan-Schnitzel sind erst dann fertig, wenn die Feuerwehr im Türrahmen steht. Also, lieber gleich drei, vier Stück mehr in die Pfanne kloppen. Man will ja kein Kackgastgeber sein.

Nee, dieses Mal gab’s richtig, äh, „Beef“ in der Küche wegen der „Pflichtbiotonne“. Gestern stand sie aus heiterem Himmel vor der Wohnungstür – und heute platzte ich schon mitten in eine stark erhitzte Diskussionsrunde rein – besser besetzt als Maischberger, Will und Plasberg zusammen: Gelber Sack, Mülleimer, Papiermüll und unser jüngster Mitbewohner die Pflichtbiotonne.

Letztere macht sich die anstehende Integration allerdings alleine schon aufgrund ihrer etwas dickhosigen Namensgebung unnötig schwer – „PFLICHTBIOTONNE“. Nix da mit „erstmal kennenlernen“, der Name sagt prinzipiell eines: Fuck You, jetzt bin ich da. Das Ding ist obendrein unerfreulich arrogant und unglaublich vom eigenen Swag überzeugt.

Erschwerend kommt hinzu: Wo „Pflicht“ draufsteht, bricht in mir erstmal der Punker durch. Ich reagiere da einstweilen mit kompletter Ablehnung, dezenter Aggression und etwas Schnippigkeit. Man stapelt ja selbst schon viel zu viel Pflichten, da hat’s gerade noch gefehlt, dass einem eine zusätzlich aufgebrummt wird.

Dann ging der Schlamassel allerdings erst richtig los: Die dumme Pflichtbiotonne brüllte ungefragt ihre zukünftigen Arbeitsbereiche durch die Küche – wie so ein Feldwebel.

Kam überhaupt nicht gut an bei der Mülltonne, dem Papiermüll und my old man Gelber Sack.  Stichwort: #handgemenge. Und ich halt mittendrin als Schlichter, wie Heiner Geißler damals:

Ich: „Okay! Ihr habt’s gehört: Irgendwer, Irgendwelche Einwände?“
Mülltonne: „Ja, Einstein. Was soll ich denn bitte noch hier?“
Gelber Sack: „Schnauze. Du stinkst!“
Mülltonne: „Fresse, Du Sack!“
Papiermüll: „Orr, endlich mal Beef in dieser Körnerfresserküche“
Pflichtbiotonne: „Ahja. wirklich reizend hier.“

Ich: „Hey, Leude. Alles easy und so, kommt mal locker, äh, klar.“
Mülltonne: „Für euch bin ich doch nur noch ein größerer Aschenbecher…“
Pflichtbiotonne: „Mimimimimimi“
Papiermüll: „lol“
Gelber Sack: „Hättsch halt was Gscheits gelernt, Du Oimer“

Ich: „Ruuuhhhiiiggg jetzt, echt“
Mülltonne: „Aber…“
Papiermüll: „Krieg dich ein, mein Leben ist auch nicht das rosarote vom Ei. Seit die Leute ihre Zeitung und Pornos online, äh, lesen und es die „Good News“ nicht mehr gibt, bekomme ich fast gar nix mehr ab. „Stuttgarter Wochenende“ und etwas Analog-Spam. #dankemerkel.“
Ich: „Sorry, mein Fehler. Ich vergesse immer, diese „KEINE WERBUNG EINWERFEN“ Aufkleber zu kaufen.
Papiermüll: „Wirklich?! Auch das noch?! I mean really?!?! Nicht mal mehr Werbung?“
Gelber Sack: „Geh Pizzabringdienst, Du Lauch.“

Mülltonne: (fängt zu singen an) „Was ist gelb und stinkt nach Mist … Gehlbeeehhhhrrr Saaaaahack.“
Papiermüll: „He, Leute, was ist leichter aufzureißen als ein Matrose beim CSD? Hahaha, nur der Gelbe Sack. Kennse, kennse, ne?“
Gelber Sack: „Ja. Wirklich sehr lustig. Man weiß schon, wo deine Bildung herkommt.“
Ich: „Eyyyyyy, Leudeh. Für mich ist auch die sechste Stunde.“
Papiermüll: Danke, Danke. Einen hab ich noch: Wer bekommt mehr Packungen als Schalke? Hahahahaha. Der Gelbe Sack! Verstehse? Hahahaha. Packungen.“
Ich: „Orr“
Gelber Sack: „Samma, bin ich jetzt der Roland, oder was?“
Pflichtbiotonne: „Ich möchte jetzt bitte sofort den Geschäftführer sprechen.“

Bin dann gegangen. Grußlos. Bis das Pflichtbiotonnen-Ding etwas moderater im sozialen Umgang wird, nenne ich sie nur „Braune Tonne“. Wie so eine übergewichtige AfD-Wählerin. Das muss reichen. Und außerdem: Mülltrennung is eben a dirty Job but someone’s gotta do it – whoawhoawhoa .

Ich seh’s trotzdem positiv, denn ich habe mit zumindest zwei neue Buzzwords draufgschafft: „Straßenkehricht“ und „Käfigeinstreu“. Und bei näherem Betrachten, möchte ich auch noch einwerfen, dass ich „Wurst“ für ein sehr witziges Wort halte. Keine Ahnung, weshalb.

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