Wer nichts zu lesen hat, hat nichts zu lesen

Wer Eurowings fliegt, fliegt Eurowings – und hat, weil er besser mal rechtzeitig am Flughafen ist, noch ein büsche Zeit, sich mal ausführlich beim bestsortiertesten Zeitschriftenfachhandel der Stadt zu informieren, was es Neues gibt. Terminal 1, Ebene 4, neben Burger King.

Dabei haben wir für euch mal ein paar exotische Illustrierte geblättert. Fazit: Print lebt. Muss aber künstlich beatmet werden.

Unsere höchsten Neueinsteiger in den „Wer-bitteschön-liest-sowas?“ Charts auf einen Blick:

Platz 10: Bounty. Ein ganzes Magazin, das sich nur mit dem Kokosschokoriegel beschäftigt. Nein Quatsch, das wäre ja absurd. Absurd wie ‚Biouty‘ (Sprich Bio-Uti). Ein ganzes Magazin, das sich nur mit Bio-Beauty beschäftigt.

Frage eines Unbeteiligten: „Mit Make-up aussehen wie ohne“. Ist das nicht rausgeschmissenes Geld? Und gibt es dazu schon eine Gegenbewegung? Ohne Make-up aussehen wie mit? Da müsste man dann bitte auch mal ein Magazin rausgeben. Namensvorschlag ‚Naturgeschminkt!‘

Platz 9: Smart Woman. Das Gegenstück zu DUMB WOMAN. Ein illustrer Themenmix aus Netflix und Thermomix. Für die digitale Frau, die im Gegensatz zur analogen Frau mit USB Anschlüssen ausgestattet ist. Im Serviceteil vielleicht sogar mit ganz einfachen und schnellen Backrezepten wie Apfel B.

Platz 8: Ein Magazin für Pop, Politik und Feminismus? Wow. Wenn du es ausgelesen hast, DJ Elbe, würde ich gerne mal n bisschen blättern. Mich interessiert besonders der Artikel „Mit Emojis zum Höhepunkt“.

Ich kann mir nämlich gut vorstellen, dass auch andere Leute bei dem Smiley mit den geröteten Wangen, bei den klatschenden Händen oder bei dem Stinker-Emoji mit den Augen ein bisschen metageil werden.

Platz 7: Palimpalim, ist die neue L-MAG schon da? Die Redakteurin, die neben das Kirsten Stewart Portrait die Zeile „neues Idol am Lesbenhimmel“ geschrieben hat, soll bitte einen Award bekommen.

Dass das L-MAG im Gegensatz zu seiner Zielgruppe nur alle 2 Monate kommt, finde ich… (—hier bitte jeder nur einen Orgasmus-Witz machen—)

Platz 6: Wenn Ihr die neue ‚Bier‘ ausgelesen habt, könnt Ihr hier noch einen Absacker lesen. War einer von Euch zufällig auf der Interwhisky 2016?

Sowas nennt man wohl Very Special Interest. Ich kann mich gut erinnern, dass es ein Magazin namens ‚Arzt & Kunst‘ gab. Ist inzwischen glaube ich eingestellt. Hatte es jedenfalls schon länger nicht mehr im Briefkasten.

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es darin schwerpunktmäßig eher um Wartezimmerkunst oder um Arztvillakunst ging. Mein früherer Zahnarzt hatte an der Decke so ein abstraktes Wurzelkanalgemälde, das wenig beruhigend wirkte. Dem hätte ein ‚Arzt & Kunst‘ Abo glaube ich ganz gut getan.

Mein jetziger hat Fotografien von Pferden und Berner Sennenhunden – und damit vieles besser gemacht.

Platz 5: Das Magazin für Brühaufsteher. (Alter kessel.tv Kalauer, kann man immer bringen. Muss man immer mal wieder bringen. Wenn man ihn immer mal wieder bringt, kriegt der Urheber 15 Eurocent von der Gag-GEMA überwiesen. Von dem so erwirtschafteten Geld gehen wir Espressi trinken, bis wir nicht mehr pennen können vor lauter Hibbeligkeit.)

Kann den Leitartikel „So klappt es mit dem eigenen Café“ bitte jemand kopieren und dem Otis Spunkmeyer schicken? Weil auf dessen Soho-Nachfolge warten wir jetzt ja auch schon wieder bisschen arg lange.

Coffee-Guide, Brüh-Guide, Bohnen, die lohnen – alles schon wieder irre geil. Bitte auf keinen Fall dem Thorsten verraten, dass man Kaffeebohnen zuhause selber rösten kann. Der ist so craft und macht das!

Platz 4: Das Heavy Metal Fachmagazin Karfunkel. Von den Leuten, die auch das Wacken machen. Bei „Allerley Tafeley“ ist mir fast der Met wieder vor Lachen hochgekommen.

Und ich hätte gerne, wenn ich mir was wünschen darf, ein Magazin / es kann auch eine TV-Sendung sein, in dem die Steckrübenrezepte der Pharaonen von den Stars und Sternchen am Lesbenhimmel nachgekocht und von Feministinnen mit Smartphone verkostet werden. Ist das zu viel verlangt?

Platz 3: Der Sonderpreis für die best-recherchierte Story geht an das VEGAN Magazin für die aufrüttelnde Reportage „Vegan und schwanger“. Ich wusste nicht, dass das geht.

Platz 2: Direkt für die Champions League qualifiziert ist die Kirmesparkrevue. Das Fachblatt für Schausteller.

Und da wir hier bei kessel.tv ja bekanntermaßen XXL-Fans von Weihnachtsmarkt, Wasen und Weindorf sind, sollten wir das vielleicht abonnieren, um immer auf dem Laufenden zu sein. Nicht dass jemandem der Durchbruch bei gebrannten Mandeln gelingt – und wir kriegen es wieder als Letzte mit.

Auf Platz 1: Lala Land. Ach nee, doch Blickfang Ultra.

Die Begründung der Jury: Irgendwo in 01705 Pesterwitz-Freital sitzt gerade ein Mensch und schreibt Poesie wie „Bereits vor der Pause gaben die ersten Fackeln einen leichten Vorgeschmack auf den Abend. Die zweite Hälfte eröffnete im Gästeblock des Waldstadions eine gelungene Rauchshow.“

Das kleine, leidenschaftlich gemachte Fanzine beantwortet tagein tagaus die großen W-Fragen des modernen Journalismus:

Wer?

Wo?

Was?

Wieso?

Weshalb?

Warum?

What the fuck?

  

2 Comments

  • JMO2 sagt:

    Blickfang Ultra ist für viele junge Menschen zwischen 14 und 28 eine Bibel. Ein must! Wer nicht weiß, wieviele Blinker und Polen-Böller beim letzten Spiel zwischen Lok und Energie in den Abendhimmel gingen oder wie die Freundschaften in der polnischen Ekstraklasa verteilt sind, der sitzt beim nächsten Ultra‘-Stammtisch am Katzentisch.

  • Whiskydrinker sagt:

    Auf der Interwhisky 2016 war ich zwar nicht. Aber auf der Interwhisky 2005 war ich noch und ich fand es damals grauenhaft überlaufen. Und in den Fachforen für den gediegenen Alkoholismus liest man bei der Manöverkritik zu den jeweils aktuellen Interwhiskys heute auch immer wieder das Wort überlaufen.

    Von daher…

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