Instawalk Old School Strasse

(Das wär doch eigentlich ne ganz gute Szenerie für eine Verfolgungsjagd – oben die Bösen, auf den Dächern Sniper und unten fährt Daniel Craig mit dem Segway durch die Leute.)

Nachdem neulich die IGERS, die Instagrammer von Stuttgart, so einen schönen Instawalk durch den Asemwald gemacht haben, dachten wir: hey, Instawalk ist doch rumlaufen und Instagram dabeihaben, also das Telefon, also eigentlich rumlaufen wie immer: das machen wir auch mal. Und knipsen.

Die gute alte Oldschool-Schulstrasse. Jetzt nicht so per Konzept, sondern weil ich da eh lang gekommen bin.

(Der gute Grammer sucht die besondere Perspektive. Der Faule entdeckt plötzlich im vorbeigehen: hoppla Kirche!)

Stiftskirche war ich übrigens noch nie. Hotte war neulich und meinte: war ich auch noch nie. Langsam aber sicher haben wir alle Wahrzeichen durch. Im Backend von kessel.tv werden schon wieder T-Shirts gestaltet: „Ich war noch niemals / erst einmal in der Stiftskirche. Unzutreffendes streichen“.

Der Gang über die Schulstrasse passte gut zur heftigen Diskussion letzte Woche bei den zwei großen Leitmedien der Stadt. Im Interweb der Stuttgarter Nachrichten und auf stuggi.tv wurde gefragt: „Brauchen wir nach Gerber und Milaneo mit dem Dorotheenquartier wirklich noch ein drittes Einkaufszentrum?“

Was so ein bisschen unglücklich war, weil das Dorotheenquartier gar kein Dach über dem Kopf hat und genau genommen auch kein Einkaufszentrum wird, sondern ein Quartier.

Ein Raketenwissenschaftler bei den Stuttgarter Nachrichten hätte das vielleicht aus dem Namen Dorotheenquartier ableiten können, dann hätten die Kollegen nicht so blöd fragen müssen. Bei stuggi.tv dagegen drücken wir für dieses Missverständnis beide Augen zwinkernd zu – Hauptsache, ihr macht bald mal wieder Sexwochen.

Entsprechend eindeutig waren übrigens die Antworten dann auch bei der Umfrage der Stuttgarter Nachrichten: „Nö, brauchen wir nicht. Da kommen nur Primark und New Yorker rein und das braucht kein Mensch“.

Was wiederum nicht so ganz superrichtig ist. Denn ins Dorotheenquartier (Claim „Boulevard der Begegnungen“) kommen Tesla, Sansibar und Louis Vuitton rein – und DAS braucht möglicherweise kein Mensch. Oder zumindest keiner ohne bedingungsloses Grundeinkommen von um und bei 120.000 per anno. (Per anno sagt man glaub so unter Entrepreneuren.)

Die wahre Frage hätte also folglich bei STN/stuggi.tv schon lauten müssen: Liebe Leute, brauchen wir neben der Schulstrasse noch andere geile Straßen? Ja wohl kaum. Schulstrasse is a must. Fressgasse for life. Achse des Guten zwischen Königstrasse (die in dieser Diskussion um Milaneo & Co jemand „gemütlich, kuschelig“ nannte) und Marktplatz. (Anderes Thema).

(Hier regiert der VfB! Da hinten links hat er mal regiert. Past Präsenz.)

Bitte kurz konzentrieren und interaktiv dabeisein, bei eurem Mitmachsender kesssel.tv, danke: Da hinten, wo jetzt die Turnschuh‘ sind, war doch der VfB-Fanshop drin, oder? Bevor er ins Milaneo ging, gell? Und davor so’n Weingummi Flagshipstore, richtig? Und davor wiederum? Weiß das bitte jemand? Followerpower! Und auch, was mit der Sportarena nebenan passiert ist? Dem wirklich miesesten Sportgeschäft von allen – noch mieser als so’n Intersport.

Früher war alles noch ein bisschen superer. Da gab’s in der Schulstrasse den legendären Schuh Braun über zwei Stockwerke, verbunden durch eine ziemlich geile, weil ziemlich flotte Holzwendelrutsche. Oben hat man sich einen kleinen Teppich geschnappt und kam dann unten flitzeflitz raus. Ungefähr da, wo heute der McDonalds Counter ist. Hätte man theoretisch zwei FishMac & einen Sundae Karamell bestellen können.

Hätte man aber so ne Zeitrutsche gebraucht: oben in den 70ern einsteigen und unten in den späten 90ern erst angerutscht kommen – weil McDonalds gab’s ja damals noch gar nicht in der Schulstrasse. Es gab nur Kickers® Schuhe. Die hatten zwei Löcher in der Kreppsohle, eines war mit einem roten, das andere mit einem grünen Punkt gefüllt. Warum, weiß heute keiner mehr. Wie bei so vielen geschichtlichen Ereignissen und Meilensteinen.

#mandarfgespanntsein #schöneralshertiemitwomdrinwirdsaberwohlnichtmehrindiesemleben

(Hier entsteht was Schönes. Nämlich ein Primark. Man ahnt da schon die Textilkollektion Herbst/Winter 17/18 – tiefes marineblau und Crinkle-Look werden die Renner der Saison. Sagt man noch „Renner der Saison“?)

Neben dem Schuh Braun mit Rutsche sind unsere „Stuttgart kauft sich dusselig“ Shopping-Geheimtipps für Euch noch:

• Der Krustenbraten mit süßem Senf vom Schlemmermayer – so teuer wie geil.

• Ein Besuch beim Korb Mayer – laut Instagram der Spielerfrauen-Hotspot. Wenn man Spielerfrauen mag: hier kann welche kennenlernen. Bitte Kickstiefel nicht vergessen.

(Falls man bis jetzt noch keine Winterdepression hatte – jetzt hat man sie dann. Johanniskraut soll Wunder wirken.)

In der Schulstrasse gibt’s, glaube ich, zwei Chinesen. Der eine, wenn man reinkommt links, der hier so appetitlich wirbt, ist meines Wissens so ein ganz authentischer Chinesenchinese. Ich meine zweistöckig, unteres Stockwerk für Langnasen, oben dann mit anderer Karte für so ganz Hartgesottene. Mit Fuchsfuß und Entenkopf und so. Ich meine auch, da mal gewesen zu sein. Und ich erinnere mich: es war sehr gut und sehr glibbrig.

Chinese Nummer 2 ist hinten oben rechts. Neben der Botox-Bar. Und die haben echt schöne Wand-Tattoos. Weiß aber nicht, ob sie kochen können. Mir müsste ohnehin bitte mal jemand einen guten Chinesen nennen. Also einen, jenseits von Glutamat und M5 süßsauer, Schweinefleisch knusprig mit Dosenananas und danach gebackene Banane mit Honig.

Lieber so richtig. Dimsum & so. Wo kann man das hier? Und in 3…2…1…jetzt schreibt jemand mit Erstwohnsitz Berlin/Shanghai: Fakt ist, in Stuttgart gibt’s keinen guten Chinesen.

Das hier ist formal einfach gut. Eigenlob stimmt. Wenn ich einen Kunstprofessor hätte, würde der mir an dieser Stelle wahrscheinlich sagen: Du hast ein Auge. Und recht hätte er. Ein spannendes Stahl-Geraffel-Ensemble ist das schon wieder. Ich glaub, ich mach ne Ausstellung. Und nenne sie „Identität in Raum und Zeit in Stuttgart.“ #artpiece 1 von 5

Ach guck, mein Schaufenster ist schon fertig und wie es der Zufall will: Schulstrasse. Das ging schnell. Jemand Bock auf Vernissage/Finissage? Jemand Bock, aufzulegen? Oldschool? Ihr seid doch alle so Diskjockeys, oder?

Bleiben wir bei geil. Hier doch auch wieder super Foto, oder? Ist, das gut gegrammt, IGERS? Lauter Texturen und Strukturen und so. Und wie wir auf der DJ Elbe Fotofachschule gelernt haben: alle Regler volle lotte auf. All men play on ten. But Elbe plays on eleven. Plotte ich jetzt mal auf Bondex oder wie das heißt und bring es die Straße hoch zum Lumas. 600×600 für sagen wir mal Freundschaftspreis 1.800. Limitiert. #artpiece 2 von 5

Hier auch nochmal Kunst. Stellt euch mal vor, dahinter sind noch Bekleidungsverkäuferinnen von Hertie eingesperrt. Und wenn man ganz leise ist, kann man sie wimmern hören. In Spiel hätten die es damals bei der Hertiepleite nicht rechtzeitig rausgeschafft und müssten jetzt warten, bis der Primark aufmacht, und müssten dann nahtlos weiterverkaufen. #artpiece 3 von 5

Kunst kommt von von oben fotografieren und den richtigen Moment abpassen oder Kunst kommt von knipsen – ich weiß es nicht mehr. #artpiece 4 von 5

Hier nochmal Primark. Fällt mir jetzt nix ein. Nur geil. #artpiece 5 von 5. Chef, muss ich wirklich unter jedes Bild was schreiben? Mir fällt nur noch Quatsch ein. Sowas wie: Wisst ihr wie die gleichen Leute, die zum Chinarestaurant Chinamann sagen, früher den Hertie genannt haben?

Richtig. Die Witzbolde haben statt Hertie so betont französisch Hertiée gesagt. Die gleichen Witzbolde haben später gesagt, sie kaufen bei ‚Hasch’Emm‘ wenn sie sich beim H&M Unterbuxen für 3,95 gekauft haben.

Der Kaufhof war der schlechtere Hertie, da sind wir uns einig. Aber der mit der besseren Genetik, sonst hätte er den Hertie nicht überlebt. Der Herr Walter von gegenüber hat „beim Kaufhof g’schafft“.  Keine Ahnung was. Ich schätz mal, Schuhe. Unser Al Bundy von Möhringen.

Die Tochter vom Herrn Walter hieß aber nicht Walter sondern Lorch. Was im Nachhinein darauf schließen lässt, dass Frau Walter eine kleine Bumsnuss war, die das kleine Kuckucks-Ei mit in die Kaufhaus-Ehe gebracht hat. Aber wir wollen nicht werten. Vielleicht war ja auch alles ganz anders.

Dafür aber jetzt mal wirklich Chapeau. Einen Hund aus eigens dafür auf einer Sackkarre angekarrtem Sand formen – das ist eine Kunst für sich. Und es ist mehr Street Art als Panflöte spielen und CDs verkaufen.

Vielleicht lass ich den im Vorprogramm spielen, wenn ich meine Ausstellung „Identität in Raum und Zeit in Stuttgart“ mache – mal sehen.

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