Taxi Stuttgart: Kurzstrecke to Hell

As a real member of Zone 10 verlasse ich diese kaum. Über’n Tellerrand ist sicher eine feine Sache, aber Stuttgart ist mit Kessellage dann doch prädestiniert für den Suppenteller und da kommt man aus der Mitte schwer raus.

Wie die berühmte Redewendung „Zum Laufen zu weit, für die Bahn zu faul“ schon sagt, greife ich gerne zu anderen Alternativen. Da bin ich wahrscheinlich nicht die Einzige. Und ganz sicher bin ich nicht alleine, mit all den Dingen, die einem auf der Fahrt mit dem Taxi widerfahren.

Deswegen ein Schreiben an alle nächtlichen Beförderer und an alle, die nachts sicher und gut nach Hause gebracht werden wollen. Denn es gibt Regeln, Freunde. Die sind auch nicht so schwer zu erkennen oder gar einzuhalten.

1. Sag hallo

Du bist nicht Miss Daisy oder der König der Welt. Du bist ein Gast, der eine Dienstleistung in Anspruch nimmt. Also verhalte dich auch so. Anstatt dich wie ein Parasit wortlos in den Sitz plumpsen zu lassen, eröffnest du die Interaktion mit einer freundlichen Begrüßung. Ist noch niemand deswegen gestorben. Wirst auch du nicht, außer du stehst auf der falschen Seite und eine Auto fährt dich versehentlich an.

Auch wenn man als Fahrer nicht nach Worten bezahlt wird, tut es nicht weh, ein paar davon zu verwenden. Denn auf eine nette Begrüßung will man nichts hören, dass mehr nach einem Brunftlaut der Wildschweine klingt als eine zivilisierte Begrüßung.

2. Weil ich ne dichte Fichte bin

Kann schon mal passieren. Kann auch passieren, dass du dir selbst so peinliche Namen wie „dichte Fichte“ gibst. Es ist jetzt aber auch nicht so, dass das hier dein erster Tequila bedingter Rausch mit 16 Jahren ist. Vermutlich befindest du dich im – wie Partnerbörsen im Internet sagen – besten Alter und dieser Alkohol ist auch kein Neuland für dich. Dann reiß dich jetzt einfach mal zusammen.

Genauso wie du es immer schaffst, die Wohnungstür noch mit dem Schlüssel zu öffnen, kannst du es auch schaffen, die Fahrt nach Hause ordentlich zu überstehen.

Wenn du weißt, dass du kotzen musst – steig nicht ein. Wenn es dir peinlich ist, dass du lallst – sag so wenig wie nötig. Wenn dir schwindelig wird unterwegs – halt den Kopf aus dem Fenster wie ein Hund. Und im Zweifel bitte deinen Freund & Fahrer, geschmeidig in die Kurven zu fahren und hartes Bremsen einfach auszulassen.

Als Fahrer hat man es nicht leicht, vor allem nicht am Wochenende und nachts. Ob man jetzt am Rotebühlplatz oder in der Eberhardtstraße steht, so ziemlich jeder Fahrgast heute Nacht hat die Alkoholfahnen gehisst. Kann einem schon auf die Nerven gehen.

Trotzdem kann man sie nicht alle gleichermaßen hassen. Natürlich gibt es Idioten oder Rüpel. Aber die kann man immer noch raus werfen, als Fahrer hat man das Recht. Man kann aber nicht Idioten nach Hause fahren und den Frust über die am nächsten und völlig unschuldigen Fahrgast auslassen.

3. Der Weg nach Hause ist ein Quickie

Und das ist auch völlig okay. Schließlich bist zu in eine zentrale Lage gezogen, damit du schnell auch zu Fuß in der Stadt bist. Wenn du jetzt nachts um 3 Uhr aber nicht mehr nach Hause laufen willst, kann das jeder verstehen. Und viele von uns verstehen das mulmige Gefühl, das in der Magengegend aufkommt, wenn du zielsicher auf ein Taxi zusteuerst. Denn du kennst das.

Du steigst ein, bist freundlich, nennst deine Adresse und hast verloren. Entweder wirst du direkt wieder aus dem Auto geworfen oder darfst dir eine Hasstirade anhören darüber, dass alle anderen Fahrer immer die langen Strecken bekommen nur dein Fahrer, der hat jetzt so eine läppische 5,60 Euro-Fahrt.

Im besten Fall bist du übrigens wie ich ein Mädchen, dass sich jetzt anhören darf, dass es doch einfach nach Hause laufen soll. Doch egal, wer du bist: Hör dir den Scheiß nicht an und lass es dir schon gar nicht gefallen. Wenn dein Fahrer sich scheiße verhält, schreib dir die Taxinummer und das Kennzeichen auf.

„Anschwärzen“, brüllt jetzt vielleicht jemand. „Nein“, sag ich da heftig und laut dagegen. Denn in keinem Regelwerk der Welt steht geschrieben, dass ich mich von einem völlig Fremden anscheißen lassen muss, nur weil er sein Job machen muss.

Anderer Kontext, gleiches Szenario: Ich stehe an der Supermarktkasse und will nur einen Apfel kaufen. Hinter mir steht jemand, der einen Wocheneinkauf verrichtet. Sagt die Kassiererin, dass sie mich nicht dran nimmt, weil ihr ein Apfel zu wenig ist. Und was mir eigentlich einfallen würde, mit nur einem Apfel mich an der Kasse anzustellen. Kaum vorzustellen, oder? Eben.

Ja sicher, es ist nicht immer einfach für die Fahrer, das Geschäft ist hart und wird scheinbar jedes Jahr härter (so zumindest der Eindruck nach etlichen Gesprächen mit Taxi-Fahrern), vielleicht ist es auch nicht immer ein Traumberuf, dazu kommen evtl. Schlafmangel, persönlicher Frust und Blähungen; trotzdem gibt es keinen berechtigten Grund, Fahrgäste wüst zu beschimpfen, weil sie kurze Strecken fahren.

Außerdem sind wir Kurzstrecken-Menschen, bei denen die Fahrer mal gerne genervt mit den Augen rollen, doch die treuesten Kunden. Viele von uns fahren jedes Wochenende, wir fahren sogar unter der Woche. Und wenn ich meine wöchentlichen Fahrten hochrechne, dann kommen wir mit der Summe bis mindestens nach Fellbach wenn nicht sogar bis Waiblingen. Just sayin‘.

4. Döner for one

Ey, als Mutti der Nation muss ich sagen: Essen nachts ist sehr wichtig. Herr Lehmann wusste schon, dass man an die Elektrolyte denken muss. Und mit gefülltem Magen macht’s am nächsten Tag auch nicht ganz so heftig bumbs.

Topseller der Nacht ist natürlich der Döner in all seinen Variationen. Ist auch lecker und wie der schon duftet. Richtig. Hier tut sich ein Problem auf. Denn du hast vor, dich mit deinem Weihrauch der Dichten & Hungrigen in einen sehr kleinen, geschlossenen Raum zu setzen.

Falls du dich an das gute alte Prise OneTouch erinnerst, weißt du, dass da ganz schnell alles nach Eau de Döner riecht. Vielleicht kannst du deinen Döner also doch einfach vor Ort essen. Oder ihn so fett einpacken lassen, dass nicht mal die Drogenspürhunde am Zoll was riechen würde.

Wenn schon beim Türe öffnen dieser unverkennbare Döner-Geruch dem Taxi-Fahrer in die Nase steigt, und das schon zum wiederholten Male heute, da kann man sich schon mal ärgern. Es ist auch ein völlig legitimer Vorschlag, den Gast zu bitten, dass er seinen Döner für die Fahrt in den Kofferraum packt. Da kann er vor sich hin stinken und alle sind glücklich.

Ein Sandwich von Subway, ein Tagesessen vom Dilan oder eine Mercimek sind allerdings kein Döner. Und auf einer Skala von 1 bis asiatische Stinkefrucht sind diese Gericht auch mehr als geruchsneutral.

Also muss man als Fahrer nicht energisch den Kopf schütteln und sich anstellen, als würde man einen zwingen, einen lebendigen Wurm zu essen. Vor allem ist es kein Grund, Gäste wieder aus dem Taxi zu schmeißen. Manchmal haben die einfach hart gearbeitet, sind müde und wollen zuhause einfach noch ein paar Löffel von ihrer Linsensuppe schlürfen. Die schmeckt nämlich super, riecht aber gar nicht.

5. Der Schlange den Kopf abbeißen

Musst du in dem Fall nicht. Es mag vielleicht eine Abmachung unter den Fahrern sein, dass man immer das erste Taxi in der Schlange nimmt. Wenn der erste Fahrer aber scheiße zu dir ist, du einfach ein schlechtes Gefühl hast oder wenn dir auch nur seine Felgen nicht taugen – geh weiter. Als Fahrgast hast du die absolute Freiheit zu wählen, mit welchem Taxi du befördert werden möchtest.

Der Deal unter Fahrern macht schon Sinn, so kann man eher garantieren, dass es in der Reihenfolge fair zu geht und jeder ein Happen vom Umsatzkuchen abbekommt. Als Fahrer muss man sich aber auch bewusst sein, dass man die Leute nicht zwingen kann, im Auto zu bleiben.

Man sollte also ein bisschen bemüht sein, seinen Gast nicht unbedingt wüst her beleidigen, dann kann man sich auch drauf verlassen, dass man genug Fahrten macht an einem Abend. Aus Solidarität zu anderen Fahrern kann man übrigens auch keinen Gast aus dem Auto werfen, weil der nicht das erste in der Reihe gewählt hat. Warum das so ist, steht acht Zeilen weiter oben.

6. Tip, please

Das Wortspiel des Abends. Denn nachdem du genug Drinkgeld hast liegen lassen, tut dir ein wenig Trinkgeld für die sichere Beförderung nach Hause auch nicht weh. Was kannst du dir schon für einen Euro kaufen? Ich weiß nicht mal, ob man dafür heutzutage noch fünf Cola Kracher bekommt.

Und welchen Unterschied macht es schon, wenn du am nächsten Morgen aufwachst und dir denkt: „Fuck, ich hab gestern 50 Euro ausgegeben.“ oder eben „Fuck, ich hab gestern 51 Euro ausgegeben.“ Richtig, keinen.

Trinkgeld ist nicht obligatorisch, das muss schon irgendwie verdient sein. Wie man das als Fahrer mit Leichtigkeit erreicht, kann man in den Punkten 1 bis 4 nachlesen. Und sich dann auch dran halten.

Ob du jetzt Fahrer oder Gast oder auch nur unbeteiligter Beobachter bist: So schwer ist es doch nicht, oder? Jeder hat sicher eine Taxigeschichte zu erzählen, darunter auch unerfreuliche. Ob man rausgeworfen, beleidigt oder dumm angemacht wurde, oder ob der Fahrer dir über’n Fuß gefahren ist und sich nicht mal entschuldigt hat – sowas muss man sich nicht gefallen lassen.

Wem das übrigens auch nicht gefällt, sind die Fahrer der Zunft, die sich wirklich ordentlich anstellen und sich über ihre in Verruf geratene Arbeit ärgern. An dieser Stelle ein Danke an jeden einzelnen Fahrer, der mich gut und vor allem freundlich nach Hause gebracht hat – danke für gute Gespräche über den Wasen, Rüpel und Linsensuppe. Das ist echt was. Und wird jetzt hoffentlich wieder mehr!

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