Supergood: Bad Gastein

Schopenhauer war da, Sissi war da, Wim Wenders auch und Thomas Mann sowieso – und jetzt auch wir. In Bad Gastein. Nicht zum ersten Mal – und bestimmt nicht zum letzten Mal.

Der Kur- und Wintersportort im Nationalpark Hohe Tauern in Österreich ist ein Ort wie von Wes Anderson ausgedacht und für eine skurrile Liebesszene aufgebaut. Quasi Bad Grand Budapest.

Aus den leergewohnten mondänen Kurhotels und leergebadeten Badehäusern könnte jederzeit Bill Murray schauen und zwinkern – während Owen Wilson pelzbemantelt in der Pferdekutsche vorbeizieht und traurig schaut. So wie nur Owen Wilson traurig schauen kann.

(Kutschfahrt ohne Owen Wilson. Dafür schaut das Pferd a bissl depri. Wahrscheinlich wäre es gern ein richtiger Dalmatiner)

Zum Verlieben schön ist Bad Gastein auf den ersten Blick nicht. Aber das ist Zwischennutzung ja fast nie. Einige Gebäude stehen leer. Abandoned Places-Fan Thorsten hätte seine wahre Freude.

Auf den zweiten Blick kann man sich dann aber sehr in Bad Gastein verknallen. Nicht nur weil hier keine Arsch-Lecher wie am Arlberg rumlaufen, sondern vor allem, weil der Ort eine dicke, fette Seele hat – und sie denjenigen gerne zeigt, die sich drauf einlassen.

(Und jedes Mal, wenn jemand Sissi sagt oder denkt, trink‘ ma an Schnaps)

Inmitten dieser Indiefilm-Kulisse haben ein paar progressive, aufgeschlossene und mutige Wiener und Locals einen faszinierenden Mikrokosmos geschaffen. Jenseits der sogenannten Schwedenhotels, die deshalb funktionieren, weil sie ihr eigenes Reisebüro sind und Pauschalskandinavier nach Bad Gastein und auf die Pisten und Wanderwege und in die Thermen schaufeln.

(Hab zuerst Haaranalye gelesen und wollte schon nach der Akte Daum fragen)

Dadurch gibt es im ganzen Ort immer wieder verstecke Plätze, Bars, Galerien, Kunstresidenzen, im Sommer ein Festival nur für Hochkantfilme – die Vertikale – Yogawochen und einen Kunstsommer, der einem bei TUI wahrscheinlich verschwiegen wird.

(Location für die Szene, in der Adrien Brody merkt, dass er aus Versehen den Koffer seines Vaters mitgenommen hat)

Manche der versteckten Guesthouses, Ski-Bum-Appartements oder Bed&Breakfasts wird man auch bei HRS vergeblich suchen. Und man muss sich diese Plätze – wie überhaupt Bad Gastein – gut erarbeiten. Meet the locals und trau dich, an einer knarzenden Tür zu klopfen.

So haben wir unter anderem die beiden Macher des kleinen Bed&Breakfasts ‚Hansi Hansi‘ getroffen, die nicht nur Zimmer vermieten, sondern auch Leinwände für Künstler und das Radio Cevapcici betreiben. Bitte sehen Sie selbst.

(Welcome to the Barbie Zimmer)

Jedes Zimmer ist anders, keines normal. Jedes wurde von einem guten Freund gestaltet nach dem Motto: Macht was Ihr wollt, aber gebt nicht zu viel Geld für Farbe aus.

Weitere Geheimtipps – und Ihr dürft nur weiterlesen, wenn Ihr es nicht weitersagt, denn Bad Gastein muss schon allein wegen seiner Lage, da hinten oben am Berg, unser Geheimnis bleiben – sind das Regina , das Miramonte und das Haus Hirt. Wobei Geheimtipp ist relativ – der Ort im Allgemeinen und diese besonderen Plätze im Besonderen sind regelmäßig in der Süddeutschen und auf hippen Blogs, wie diesem.

(Das Hundepiktogramm – Mitte rechts – muss bitte nochmal zum finetunen in die Grafik)

Um das Winterurlaubs-Bullshit-Bingo zu bedienen hier noch mein von mir selbst ausgedachter Lieblingsdialog zwischen Bill Murray und Owen Wilson:

Hattet Ihr Schnee? 

– Wir selber jetzt nicht. Aber die hatten welchen und den konnte man ausleihen.

Lieblingsplatz in Bad Gastein ist das verstecke Haus Hirt mit seiner wahnsinnigen Lage am Ortsrand, aber vor allem über dem Gasteiner thronend. Bitte nicht hingehen, wenn Ihr sonst eher so der Hoteltyp Ibis seid. Wer aber Sinn für Details, Lust an sehr gutem Essen, Freude an Begegnungen mit Designern, Architekten, Musikern, Künstlern und einer super herzlichen Belegschaft hat, die zu 100% aus echten Charakteren besteht: bitte gerne.

Schopenhauer war da, Sissi war da, Wim Wenders war da – und Friedrich Liechtenstein auch. Super Typ, super Begegnung – und im Hintergrund super Hotel. Love nach Bad Gastein und thanks for having us, wie der Schwede sagt.

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